Die Geschichte der Familie von Lienen gehört zu den stillen, aber tief verwurzelten Linien des norddeutschen Mittelalters. Wer sich ihr nähert, begegnet nicht nur einem alten Ministerialengeschlecht der Wesermarsch, sondern einem Stück regionaler Identität, das sich über fast ein Jahrtausend hinweg erhalten hat. Die Webseite vonlienen.de zeichnet diesen Weg mit großer Sorgfalt nach: von den frühen Bindungen an das Erzbistum Bremen und die Grafen von Oldenburg bis hin zu den verschwundenen Stätten ihres Wirkens: der Burg Lienen, dem Ritterhof der von Lienen auf dem Rader Sand und dem späteren Burgmannshof in Oldenburg.


Vorwort
Die nach heutiger Schreibweise gleichnamigen ehemaligen Osnabrücker Edelherren "von Lienen" (frühere lateinische Schreibweise in Urkunden: "de Lina") des 12. Jahrhunderts sind auf dieser Webseite nicht gemeint. Deren namensgebender Ort war Lienen im heutigen Kreis Tecklenburg, was erstmals im Jahre 1088 urkundlich als Lina (mittelhochdeutsch Lina: Ort am Berghang) erwähnt wurde. Dazu gehörten 1172 Amolungus de Lina, 1182 Theodericus de Lina und 1186 Svether de Lina. Im 13. Jahrhundert ist diese Familie in den bekannten Quellen nicht mehr nachweisbar. Das Wappen der heutigen Gemeinde Lienen im Tecklenburger Land entstand erst durch einen Vorschlag des preußischen Staatsarchivs, da keine historischen Siegel oder Wappen bekannt waren. Hierin wurde das historische Wappen der Grafen von Tecklenburg symbolisch mit der hügeligen Landschaft um Lienen herum in der Form von drei darin dargestellten Hügeln verknüpft. Die Grafen von Tecklenburg hatten ihr Herrschaftsgebiet südwestlich von Osnabrück rund um die Burg Tecklenburg. Zwischen 1180 und 1236 waren sie auch im Besitz der Vogtei des Bistums Osnabrück. 

Eine direkte Verbindung der Gemeinde Lienen im Tecklenburger Land zu den historischen Rittern von Lienen aus dem heutigen Ortsteil Lienen im Landkreis Wesermarsch ist nicht bekannt. Verschiedene bekannte Stammtafeln zeigen eine angenommene Verknüpfung, die historisch jedoch nicht belegbar ist. Eine Verwechslung dürfte durch den allein nach heutiger Schreibweise identischen Namen entstanden sein. Ein Vergleich der ursprünglichen Namensformen („de Lina“ gegenüber „de Line“) verdeutlicht den unterschiedlichen Ursprung.





Die Ursprünge der Familie von Lienen aus der Wesermarsch reichen in das späte 11. und frühe 12. Jahrhundert zurück. Die erste sicher nachweisbare Linie beginnt mit Albero I. von Lienen, geboren 1168, der aus einer Seitenlinie der Verwandtschaft des Bremer Erzbischofs Liemar hervorging. Durch die Heirat mit einer Frau aus der Linie der Grafen von Oldenburg entstand eine Verbindung der von Lienen sowohl zu einer der einflussreichsten Kirchen Norddeutschlands als auch zu einem der ältesten Grafengeschlechter der Region. Die Geschichte der Familie zeigt, wie eng Adel, Kirche und Landschaft im mittelalterlichen Norden miteinander verflochten waren und wie aus einer erzbischöflichen Verwandtschaftslinie ein Rittergeschlecht hervorging, das über Jahrhunderte die Wesermarsch mit prägte. Zugleich macht sie deutlich, wie Naturkatastrophen, Kriege sowie gesellschaftliche und politische Umbrüche den weiteren Verlauf der Familiengeschichte immer wieder beeinflussten und die Entwicklung in wechselnden Epochen neu formten. 

Wo alte Höfe stehen und Familien über Jahrhunderte Wurzeln schlagen, dort sammelt sich nicht nur Geschichte, dort sammeln sich auch Geschichten. Historische Darstellung und erzählerische Überlieferung werden auf dieser Seite bewusst voneinander getrennt. Letztere geben überlieferte Sagen und Deutungen wieder und sind nicht als gesicherte historische Befunde zu verstehen. Die Seite trennt historische Darstellung mit normaler Schriftart von erzählerischer Überlieferung in kursiver Schrift. Hypothesen innerhalb der historischen Ebene sind dabei klar als Vermutungen formuliert.


Etwas zur geschichtlichen Einordnung vorab
Es war die Zeit eines grundsätzlichen Umbruches in Westeuropa. Das römische Reich war schon lange zerfallen und auch das sich danach gebildete Fränkische Reich Karls des Großen war bereits zerteilt. Man begann Mittelhochdeutsch zu sprechen und zu schreiben und es bildete sich zum ersten Mal in der Geschichte eine deutsche Identität heraus. Es war die Zeit des beginnenden Hochmittelalters. Die Bevölkerung breitete sich schneller aus als zuvor und neue Gebiete mussten somit erschlossen werden. Die Landwirtschaft, das Handwerk und der Handel machten einen großen Fortschritt und die Kirche entwickelte eine starke Position innerhalb des Reiches. Durch die Kirchenreformen, auch ausgehend von dem Konzil in Rom 1059 erlangte der Papst große Macht gegenüber dem König.  Während es im Frühmittelalter fast kein städtisches Leben mehr gab, setzte nun eine Welle von städtischen Neugründungen ein. Es war aber auch die Epoche der Kreuzzüge und eines völlig neu definierten Rittertums.

Die Geschichte unserer Familie von Lienen beginnt also in der Zeit der frühen Gotik.



Das aus dem östlichen Teil des Frankenreiches hervorgegangene Reich als Herrschaftsbereich der deutschen Kaiser wurde seit dem Jahr 1056 von Heinrich IV. regiert, allerdings im Alter von zunächst sechs Jahren. Seine Königsherrschaft trat er erst 1069 wirklich an. In der Zwischenzeit hatten verschiedene Stellvertreter diese Rolle für ihn übernommen. Diese Übergangszeit ohne mächtigen Herrscher hatten viele Fürsten und Bischöfe genutzt, um ihren Machtbereich zu vergrößern. Sie beanspruchten Landbesitz und zum Teil königsähnliche Rechte. In den nachfolgenden 200 Jahren wurde der Einfluss der Fürsten immer größer, was schließlich in der goldenen Bulle durch Karl IV. seinen Höhepunkt nahm. Im Jahr 1062 wurde die Vormundschaft des Heinrich IV. durch den Erzbischof Adalbert übernommen, welcher sich das Land im Bereich des westlichen Weserufers von der Mündung der Ochtum bis zum Butjadingerland übertragen ließ. Somit gehörte dieses Land zum Erzbistum Bremen. Das Erzbistum Bremen wurde etwa 100 Jahre davor als Erzbistum Hamburg-Bremen von Papst Formosus 893 ausgerufen, nachdem der Benediktinermönch Ansgar vor den Wikingern von Hamburg nach Bremen geflohen war und dort zum Bischof bzw. Erzbischof erhoben wurde.



Um das Land nutzbar zu machen, wurden nach holländischem Vorbild Deiche und Siele angelegt. Die Kolonisten waren dem Erzbistum Bremen gegenüber abgabepflichtig. Die damals gebauten Bauernhöfe hatten eine Fachwerkbauweise mit Reetdach. Die bäuerlichen Bewohner nannten sich Stedinger ("Uferbewohner"), worauf der historische Name Stedingen für diese Region zurückgeht.

1072 wurde Erzbischof Adalbert von Erzbischof Liemar abgelöst.






Der Ursprung der Familie
Die Familie von Lienen lässt sich auf die Reichsministerialität des Erzbistums Bremen als Zweig der Familie von Stelle zurückführen, welche mit dem Schenkenamt urkundlich erstmalig seit 1186 eines der ministerialischen Haupthofämter im Erzbistum bekleidete. Die Familie v. Stelle waren direkte Verwandte des aus der Königs- bzw. Reichsministerialität stammenden Erzbischofs Liemar. Liemar brachte seinen Bruder Mazelin und dessen Sohn Adalbero sowie zwei Söhne seiner väterlichen Tante nach Bremen mit, von denen Siveko I. als Stammvater der v.Stelle genannt wird;  die Linie v.Stelle begann mit seinem Sohn Erpo v.Stelle (um 1110 herum). Siveko selbst wird in Quellen auch als Sybernus (Siegbert) von Stelle genannt. Der zweite Sohn Willo war der Stammvater der Familie v.Bruch.

Erzbischof Liemar hatte damals seine Verwandten mit umfangreichen Rechten und großem Landbesitz ausgestattet. Er war ein enger Vertrauter König Heinrich des IV. und zum Beispiel auch als Vermittler für Heinrich IV. gegenüber Papst Gregor VII. im Jahr 1077 tätig ("Gang nach Canossa").




Das Geburtsjahr des ersten Namensträgers der Familie von Lienen war das Jahr 1168. In diesem Jahr wurde Albero I. von Lienen als Sohn des erzbischöflichen Ministerialen Dietrich von Stelle (geb. 1144 in Bremen)  geboren.

Dietrich von Stelle war der Sohn Erpos von Stelle, womit die Linie der Familie von Lienen bis zur Verwandtschaft des Erzbischofs Liemar in das Jahr 1092 zurückverfolgt werden kann.



Rund um die Geburt Albero I. ranken sich eine Reihe von Erzählungen. Dietrich, der Vater Alberos, soll eine Prüfung bestanden haben, die kaum ein anderer Ministerialer wagte. Seitdem glaubte man, dass die Stelle‑Linie einen besonderen Schutz im Moor besaß und dass dieser Schutz auf die Lienener überging. In der Nacht der Geburt von Albero I. soll zuvor ein dichter Nebel aufgestiegen sein. Als Albero geboren war, löste sich der Nebel schlagartig auf. In der späteren Überlieferung wurde dies sinnbildlich so gedeutet, dass „das Moor ihn angenommen habe, genau wie seinen Vater“.

Die Frau von Albero I. von Lienen war Thetburich (Dietburg) von Mackenstedt (geb. 1170), eine Ministerialin des Herzogs Heinrich (der älteste Sohn Heinrich des Löwen). Sie stammte aus der Linie von Oldenburg, womit eine
verwandtschaftliche Beziehung der hier beginnenden Linie von Lienen sowohl zu den Bremer als auch zu den Oldenburger Grundherren bestand.

Die Linie der Familie von Lienen ist nahezu zeitgleich zum Beispiel mit der Linie von Bremen entstanden, welche ebenfalls aus der Verwandtschaft Erzbischof Liemars hervorging. Die Ritter von Lienen gehörten zu den ersten wappentragenden Ministerialen im Erzbistum Hamburg-Bremen.


Der Ursprung des Namens
Der Name unserer Familie "von Lienen" geht grundlegend gesehen auf den Ort bzw. heutigen Ortsteil Lienen an der Weser zurück. Historisch plausibel ist dabei folgende Reihenfolge der Ereignisse.

1.) Zuerst existierte der Fluss Line als ältestestes geographisches Element. Gewässernamen sind oft älter als Namen mittelalterlicher Siedlungen, oft vor-germanisch, manchmal sogar vor-indoeuropäisch.

2.) Dann folgte die Burg Line an der Linemündung als namensgebender Adelssitz. Die Burg Line erhielt somit ihren Namen vom Fluss Line. Burg Line = Burg an der Line.

3.) Die Familie nimmt ihren Namen von der Burg, also indirekt vom Fluss. Das ist typisch für norddeutsche Ministerialenfamilien.

4.) Der heutige Ortsteil Lienen (Elsfleth) ist jünger als Burg und Familie. Er ist eine sekundäre Siedlungsbenennung, die sich aus der Nähe zur Burg und zum Fluss ergeben hat. Ob der Ort direkt nach dem Fluss oder indirekt nach der Burg benannt wurde, ist sprachlich kaum trennbar, aber historisch ergibt sich: Der Ort trägt seinen Namen wegen der Burg, die wiederum wegen des Flusses so hieß. Und möglicherweise liegt die Erklärung auch ganz einfach in dieser Überlieferung:

Als später eine kleine Siedlung in der Nähe der alten Burg entstand, sagten die Bewohner laut Überlieferung, sie lebten „bei den Lienen“. Gemeint war, sie lebten sowohl bei der Burg als auch beim Fluss. So wurde der Ort Lienen genannt, in Erinnerung an Burg und Fluss gleichermaßen.

Die Liene war im Mittelalter ein Nebenfluss der Weser. Seit der großen Flut etwa Mitte des 14. Jahrhunderts war der ursprüngliche Verlauf der Liene nicht mehr vorhanden. Zur Zeit des damaligen Weserdeltas war die Liene mit der Jade verbunden. 

Man sagt, die Liene sei nie ein gewöhnlicher Fluss gewesen. Sie soll sich leise und unberechenbar durch die Marsch geschlängelt haben, manchmal ihren Lauf verändernd, als folge sie einem eigenen Willen. Alte Karten zeigen sie mal breiter, mal schmaler, mal weiter östlich, mal westlicher. Die Leute meinten, sie „wandere“.

Lesen und Schreiben war damals eine seltene Kunst und Namen wurden oft nur mündlich weiter gegeben, was unter anderem ein Grund dafür war, dass Klang und Schreibweise vieler Burgen, Orte und Namen im Laufe der Zeit eine zum Teil deutliche Wandlung durchgemacht haben. Vor diesem Hintergrund kann man sagen, dass der Name "von Lienen" heute noch sehr nahe am ursprünglichen Namen des Ortes Lienen liegt.

Fluss:  Line >> Liene
Burg:   Burg Line >> Burg Linen >> Burg Lienen
Name: de Line (lat. Form auf Siegeln / Urkunden) >> von Linen >> von Lienen
Ort:      Line  >> Linen >> Lienen


Historisch:
Fluss Line >> Burg Line >> Albero I. de Line (lat.) >> Beginn der Familie

Heute:

Fluss Liene >> Burg Lienen >> Familie von Lienen >> Ort Lienen




Der historische Verlauf der Liene lässt sich teilweise und zumindest näherungsweise dem heutigen Elsflether Sieltief bzw. dem Käseburger Sieltief zuordnen. Das Käseburger Sieltief verläuft heute noch durch die Ortschaft Großenmeer (ehemals: Meerkirchen), welche ihren Ortsnamen von dem sogenannten "Großen Meer" bekommen hat, zu dem sich die damalige Liene zeitweise verbreitert hatte. Die Mündung des heutigen Elsflether Sieltiefs in die Weser verläuft über den Liener Kanal, wodurch auch eine Verknüpfung zum historischen Namen des Flusses Liene gegeben ist.

Die folgende Karte zeigt den damaligen Verlauf der Liene sowie die Lage der ehemaligen erzbischöflich-bremischen Burg Lienen nördlich vom heutigen Elsflether Sieltief, welches südlich der heutigen Landstraße namens "Alte Liene" verläuft. Diese Landstraße mündet fast direkt in die heutige Watkenstraße in Elsfleth-Lienen, in deren Nähe die historische Burg Lienen vor der Zerstörung durch aufständische Stedinger gestanden hat.



Die heutige Landstraße „Alte Liene“ verläuft nahe am alten Flussbett der Liene. Manche Bauern schworen der Legende nach, dass ihre Pferde dort manchmal scheuten, obwohl nichts zu sehen war. Ein alter Elsflether sagte einmal: „Unter der Straße schläft der alte Fluss. Und manchmal dreht er sich im Traum“. 

Die Verbindung zwischen den beiden Sieltiefen ist entsprechend der damaligen Lage der Liene nicht mehr vorhanden. Der Verlauf der Weser ist heute aufgrund der Eindeichung schmaler als damals. Die dargestellten Flussverläufe entsprechen grundsätzlich gesehen einer Übersichtskarte der alten Deiche aus dem Oldenburger Jahrbuch für Altertumskunde, im Detail war allerdings zum Beispiel der Verlauf der Weser nicht so geradlinig wie hier dargestellt. Die ehemalige Kirche von Lienebrok ist ebenfalls eingetragen. 


Zwischenzeitlich gab es auch Landkarten, in denen der Ort in der Schreibweise "Lihn" zu finden ist.




Zwischen Liene und Weser soll ein uralter Weg gelegen haben, der nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar wurde. Er bestand aus Holzbohlen, die schon damals niemand mehr zuordnen konnte. Manche glaubten, er sei älter als die ersten Siedlungen.

Die Burg Lienen
Aus der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters stammen die meisten der heute noch erhaltenen Burgen und Burgruinen. Von der Burg Lienen ist heute nichts mehr erhalten. Verschiedene Quellen berichten von einem vermeintlich noch vorhandenen Burgstall, was jedoch auf einer unterschiedlichen Verwendung des Begriffs „Burgstall“ in verschiedenen Epochen beruht. Geht man auf den mittelhochdeutschen Sprachgebrauch zurück, so steht das Wort burgstal für die Stelle einer Burg und somit für die Burg selbst. Im Ausklang des Mittelalters wurde die Bezeichnung zum Teil für eine im Verfall befindliche Burg verwendet.

So kam es, dass im frühen 20. Jahrhundert immer wieder Leute durch die Marsch streiften: Bauern zeigten auf alte Warften und meinten, dort müsse der „Burgstall“ sein. Lehrer schickten ihre Schüler los, um „Steine der alten Burg“ zu finden. Ein Pastor soll behauptet haben, er habe „Reste eines Turmhügels“ gesehen. Von der mittelalterlichen Holz-Erde-Burg haben sich keine sichtbaren Reste erhalten.  Aber der Glaube an den „Burgstall“ hielt sich hartnäckig.

Eine weitere Bedeutung war die Bezeichnung einer kleineren Burg des niederen Adels im Unterschied zur "Hofburg". Eine ähnliche Unterscheidung wird mit den Begriffen Dynastenburgen und Lehensburgen vorgenommen. Die Lehensburgen baute der niedere Adel auf dem ihm zugehörigen Land. Sie bestanden oft nur aus einem befestigten Ritterhaus mit Wohnturm und einem Burghof während die großen Dynastenburgen neben der Burg selbst noch weitere Nebengebäude aufweisen.



Bei der Burg Lienen kann man von einer relativ kleinen Burg ausgehen, wobei das zugehörige Land aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen zum Erzbistum im Besitz der "von Lienen" war. Quellen berichten von einem "erheblichen Land- und Zehntenbesitz", was sich im Laufe der Geschichte in zahlreichen urkundlich belegten Landverkäufen widerspiegelt. Die ehemaligen Ländereien erstreckten sich vom heutigen Lienen nach Norden bis hin zum heutigen Oberhammelwarden sowie nach Westen bis zum heutigen Oldenbrok.

Es wurde gemunkelt, auf der Burg habe ein Brunnen gestanden, der bis in einen alten, unterirdischen Wasserlauf reichte. Manche nannten ihn die „dunkle Liene“.


Der Burgenbau gehörte zu den wichtigsten Mitteln der Machtausübung im Mittelalter. Das Königsrecht zum Burgenbau ging im Heiligen Römischen Reich oft als Reichslehen auf die territorialen Machthaber über. Diese bauten sich Residenzburgen und zahlreiche kleinere Burgen, welche sie von angestellten Burgmännern erbauen ließen. Die Ministerialburgen waren in der Regel durch eigenständige Belehnung der Ministerialen mit der jeweiligen Grundherrschaft verbunden. Dabei dienten die Burgen nicht nur zu militärischen Zwecken, sondern hatten auch eine Verwaltungsfunktion.

Hochmittelalterliche Burgen waren nicht grundsätzlich aus Stein gebaut, sondern oft aus Holz und Lehm. Meist waren es stroh- oder schindelgedeckte Fachwerkbauten, welche von hölzernen Palisaden umgeben waren. Die Fläche dieser Burgen war relativ klein und daher war eine Selbstversorgung der Burgbewohner nur bedingt möglich. Der Herrensitz und der Wirtschaftshof bildeten eine Einheit. Die Burgen bedeutender Ministerialadelsfamilien waren reich ausgestattet. Ausgehend von den Burgen erfolgte eine Kontrolle des direkten Umlandes, zum Beispiel über Verkehrswege oder Märkte. Durch die Burgherren erfolgte auch die Eintreibung des sogenannten "Zehnten" von den Bauern des Umlandes. Bewohner der Burgen waren Niederadlige, meist Ministerialen. 

Die genaue Lage der ehemaligen Burg Lienen zeigt folgendes Bild. Die Lage wurde aus Skizzen ermittelt, die im Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg zu finden sind.



Der Burgplatz war von einem etwa 5-7m breiten Burggraben umgeben, der bei Abrissarbeiten eines späteren Hauses im 19. Jahrhundert wieder entdeckt wurde. Der Zufluss zu dem Burggraben kam aus der Weser und war etwa 8-10m breit. Der Burgplatz selbst lag etwa 2-3m über dem Wasserspiegel. Ab etwa 1850 wurde diese Erhöhung schrittweise abgetragen. Durch das damalige Abtragen der kompletten Wurt inclusive der Brandschicht liegt die Wahrscheinlichkeit auf heutige archäologische Spuren quasi bei Null. Gezielte Grabungen in den 30er Jahren des 20.Jahrhunderts brachten kein Ergebnis, was diese These untermauert.


Wie die Burg Lienen wahrscheinlich aussah

Burgtyp: eine kleine, befestigte Ministerialenburg. Die Burg Lienen war keine große Dynastenburg, sondern eine typische Lehensburg des niederen Adels. Das bedeutet: kleine Anlage, kompakt, ein Wohnturm oder befestigtes Ritterhaus ein ummauerter Hof, wenige Nebengebäude, Holz-Erde-Bauweise mit einzelnen steinernen Elementen. Genau solche Burgen wurden im 12. Jahrhundert in der Marsch häufig errichtet. Lage: da die Burg an der Mündung der Liene in die Weser lag, stand sie auf einer Warft (einem künstlich aufgeschütteten Hügel). Die Wesermarsch war hochwassergefährdet; Burgen mussten trocken und verteidigungsfähig stehen, Warften waren Standardbauweise für Herrensitze in der Marsch. Baumaterial: Holz, Lehm, Feldsteine, wenig Backstein. Im 12. Jahrhundert war Backstein in Nordwestdeutschland noch selten. Daher: Palissaden aus Eichenholz, Erdwälle, ein Wohnturm aus Holz oder Fachwerk, Fundamente aus Feldsteinen. Steinerne Wohntürme waren in der Marsch untypisch und teuer, eher etwas für Dynastenburgen. Aufbau der Anlage: a) Der Wohnturm und das befestigte Ritterhaus: 2–3 Stockwerke Wohnraum, Lager, kleiner Saal, Wehrplattform oben aus Holz oder Fachwerk, evtl. mit steinernem Sockel. b) Der Burghof: Stall, Speicher, kleine Schmiede oder Werkstatt, Brunnen oder Zisterne. c) Befestigung: Holz-Erde-Wall, Palissadenzaun, Wassergraben, gespeist durch die Weser, ein einziges Tor, vielleicht mit kleinem Torhaus. d) Anbindung: eine kleine Anlegestelle, ein Bootssteg, Zugang zum Wassergraben. e) Bedeutung und Größe des Besitzes:  regional bedeutende, aber baulich kleine Burg. Die Ländereien: reichten von Lienen bis Oberhammelwarden und bis Oldenbrok, umfassten Ackerland, Wiesen, Marschweiden und Zehntrechte. Das zeigt: Die Familie war wirtschaftlich stark, aber nicht hochadelig, genau der typische Status einer Ministerialenfamilie des Erzstifts Bremen. f) Warum nichts erhalten blieb: Kein Wiederaufbau nach Großbrand, Holz-Erde-Bauweise verrottet vollständig, Sturmfluten des 14. Jahrhunderts, Gelände mehrfach überformt, spätere landwirtschaftliche Nutzung, Warft eingeebnet, Gräben verfüllt. Das erklärt, warum heute keine sichtbaren Reste existieren.


So sah die Burg Lienen sehr wahrscheinlich aus: Eine kleine, aber strategisch wichtige Ministerialenburg, bestehend aus einem befestigten Gebäude mit Wohnturm (Holz/Fachwerk),  einem umzäunten Burghof, Erdwall + Palisade + Wassergraben auf einer Warft an der Lienemündung. Sie war Sitz der Familie, nicht Repräsentationsbau, funktional, kompakt, wehrhaft.

Das folgende Bild zeigt eine mögliche künstlerische Rekonstruktion als historische Annäherung, sowie daran anschließend ein Schnittbild.






Der Ritterhof auf der Weserinsel
Der Ritterhof auf dem Rader Sand entwickelte sich ab ca. dem Jahre 1200 zu einer für die Region bedeutenden Niederlassung der von Lienen. Die Anlage dürfte den Charakter einer kombinierten Motte‑ und Turmburg gehabt haben, deren steinerner Wohnturm nicht nur als Wohnsitz, sondern auch als sichtbares Zeichen ritterlicher und erzbischöflicher Autorität diente. Umgeben war der Hof wahrscheinlich von Palisaden, Gräben und weiteren Holz‑Erde‑Befestigungen, die durch die unmittelbare Nähe zur Weser zusätzlich geschützt wurden. Neben dem Turm existierten Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Speicher und Unterkünfte für das Gefolge, sodass der Hof als dauerhaft bewohnte und bewirtschaftete Einheit funktionierte.

Die genaue Lage der archäologisch nachgewiesenen Wurt zeigt folgendes Bild. Der Mottenhügel besitzt einen Durchmesser von ca. 30 m und erhebt sich heute ca. 1,50 m über die Umgebung. Er ist von einem Graben umgeben.



Für das Erzstift Bremen erfüllte der Rader Sand eine wichtige strategische Rolle. Die von Lienen agierten als erzbischöfliche Ministerialen und nutzten den Hof als Stützpunkt zur Kontrolle des Schiffsverkehrs auf der Unterweser. Die Lage auf einer stabilen Flussinsel erlaubte die Überwachung von Handelswegen, die Erhebung von Abgaben und die Absicherung von Fährstellen. Zugleich diente der Hof als militärischer Außenposten, von dem aus der Erzbischof seine Herrschaftsansprüche im Weserraum durchsetzen konnte. Die wirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Flächen der Insel, insbesondere Viehzucht und Heugewinnung, ergänzte die Einnahmen aus Zöllen und Durchfahrtsrechten.

Der Verlauf der Weser war zur damaligen Zeit ein komplett anderer als heutzutage. Der Rader Sand war eine Weserinsel und der Hauptstrom der Weser führte vermutlich sogar östlich am Rader Sand vorbei. Das folgende Bild zeigt eine künstlerische Rekonstruktion der Landschaft zu der Zeit um 1200. Das interessante an diesem Jahr war, dass der Ritterhof auf dem Rader Sand bereits errichtet war und die Burg Lienen noch stand.



Otto I. von Stelle benutzte um 1200 herum die Bezeichnung "Levemunt". Ein Ort dieses Namens ist nicht bekannt, sein Sitz kann aber mit dem Ritterhof auf der ehemaligen Weserinsel "Rader Sand" identifiziert werden. Das mittelhochdeutsche Wort Levemunt bedeutete ursprünglich „unter jemandes Schutz stehende Wertschätzung“, was sich später zu „guter Ruf“ verfestigte. Historisch gesehen wäre es somit plausibel, wenn in dieser Zeit die Familie von Stelle auf dem Rader Sand ansässig war oder zumindest bei der Errichtung des Ritterhofes eine Rolle spielte. Nach der Zerstörung der Burg Lienen führte die weitere Linie der von Lienen, beginnend mit Albero dem Jüngeren, den Ritterhof im Besitz der von Lienen bis zum Ausklang des 14. Jahrhunderts weiter.

Der Alltag auf dem Ritterhof war geprägt von einer ständigen, wenn auch wechselnden Besatzung aus Knechten, Mägden, Handwerkern und Wachleuten. Während der Wohnturm Schutz bot und repräsentative Funktionen erfüllte, spielte sich das tägliche Leben in den umliegenden Wirtschaftsgebäuden ab. Die Anlage wurde über mehrere Generationen hinweg ausgebaut und erreichte ihre größte Bedeutung vermutlich zwischen 1250 und 1350, als die Ritter von Lienen fest im regionalen Adel etabliert waren. Der Hof erscheint in Urkunden als "curia in Rader Sand".

Das folgende Bild zeigt eine mögliche künstlerische Rekonstruktion als historische Annäherung.





Spätestens nach der großen Flutkatastrophe von 1362 wurde der Hof schrittweise aufgegeben. Durch die Verlagerung der Weser wurde die Insel zunehmend überschwemmungsgefährdet. Mit dem Erwerb eines Burgmannshofes in Oldenburg im Jahr 1370 beginnt zugleich der Niedergang des Hofes auf dem Rader Sand.

Der Adelssitz der Familie von Lienen an der Weser wurde mit Ausgang des 14.Jahrhunderts, also nach rund 200 Jahren, verkauft. Eine Urkunde aus dem Jahr 1396 beschreibt den Verkauf des Ritterhofes mit befestigtem Wohnturm der Familie an das Kloster Rastede.

Die Sage erzählt, dass der Turm manchmal näher am Wasser, manchmal weiter im Land stand, je nachdem, wie die Strömung die Insel formte. Als der Ritterhof 1396 an das Kloster Rastede verkauft wurde, soll der Abt gefragt haben: „Wo genau liegt der Hof?“ und die Knechte antworteten: „Dort, wo das Land heute ist und morgen vielleicht nicht mehr“.

Nach dem Erwerb des Ritterhofes durch das Kloster Rastede war die Anlage bereits aufgegeben, aber noch baulich vorhanden. Das Kloster hatte in dieser Zeit regen Baubedarf: Erweiterungen, Wirtschaftsgebäude, Deicharbeiten und Warftbefestigungen. In der Wesermarsch war Bauholz und Feldstein kostbar. Wenn ein Hof aufgegeben wurde, war es üblich, Balken, Pfosten und Bohlen wiederzuverwenden, Feldsteine und Lehmziegel als Fundamentmaterial zu bergen, Eisenbeschläge und Dachmaterialien zu verwenden oder verwendbar zu machen (heute würde man recyclen sagen). Das Kloster Rastede war bekannt dafür, solche Ressourcen systematisch zu sichern. Vergleichbare Vorgänge sind aus der Region belegt: Das Kloster Hude nutzte nach dem Erwerb von Höfen deren Holz und Steine für eigene Bauvorhaben. Auch das Kloster Osterholz dokumentierte den Abtransport von Baumaterial aus aufgegebenen Marschhöfen. Der Ritterhof lag an der Weser, also transporttechnisch ideal, Holz und Steine konnten per Schiff oder Floß bis in die Nähe von Rastede gebracht werden. Das spricht stark für eine gezielte Materialverwertung. Es spricht vieles dafür, dass das Kloster Rastede nach dem Kauf des Ritterhofes die verwertbaren Baustoffe (Holz, Feldsteine, Eisen) geborgen hat, die Warft selbst später landwirtschaftlich nutzte, und den Standort als wirtschaftlichen Außenposten oder Pachtgut weitergeführt hat. Folgendes Bild zeigt die künstlerische Rekonstruktion des Abbaus.



Seit der Zeit der ersten Generation auf dem Rader Sand soll laut einer Legende im Turm ein stiller Schutzgeist gewacht haben. Kein Gespenst, kein Dämon, eher der Geist der Wache, geboren aus all den Nächten, in denen Knechte und Ritter auf dem Turm standen, die Weser beobachteten und den Hof verteidigten. Man nannte ihn später nur "den Stillen". Als die von Lienen den Hof verlassen mussten, so erzählt die Sage, hätten die Knechte den Turm zuletzt abgeschlossen. Einer von ihnen soll die Hand auf die Tür gelegt und gesagt haben: „Bleib stehen, bis wir wiederkommen“. Der Wind trug die Worte über die Marsch, und der Stille im Turm hörte sie. Als nach dem Verkauf die Männer des Klosters Rastede kamen, um den Hof abzutragen, geschah etwas Merkwürdiges. Die Bohlen der Wirtschaftsgebäude ließen sich leicht lösen. Die Palisaden gaben nach wie morsches Holz. Die Steine der Warft rutschten fast von selbst in die Schubkarren. Doch der Turm rührte sich nicht. Die Klosterknechte schlugen Keile in die Fugen, setzten Winden an, banden Seile um die Balken. Nichts. Der Turm stand, als wäre er mit der Erde verwachsen. Einer der Männer soll geflucht haben: „Der Teufel selbst hält das Ding fest“. Doch die Alten im Dorf sagten: „Nicht der Teufel. Der Stille“. Erst als ein schwerer Herbststurm über die Weser zog, brach der Turm. Nicht durch Menschenhand, sondern durch Wind und Wasser. Die Klosterknechte fanden am Morgen nur noch Balken und Steine, die sich nun lösen ließen wie jedes andere Holz. Man sagte später: „Der Turm fiel nicht, weil Menschen es wollten. Er fiel, weil der Stille wusste, dass niemand mehr zurückkehrt“.

 
Der Burgmannsitz in Oldenburg
Der im Jahr 1370 in Oldenburg erworbene Burgmannshof der von Lienen war kein klassischer Wehrbau mehr, sondern ein repräsentativer steinerner Adelshof, charakteristisch für den Übergang vom Rittertum zum städtisch geprägten Landadel. Diese Höfe dienten den Burgmannen, also den Rittern, die dem Grafen von Oldenburg militärisch verpflichtet waren, als Wohn‑ und Dienstsitze. Die Anlage war nicht mehr wehrhaft im militärischen Sinn, sondern symbolisch befestigt, was eher Status als Verteidigung ausdrückte. Der Burgmannssitz der von Lienen in Oldenburg war somit ein repräsentativer Adelshof innerhalb der Stadt, der die enge Bindung der Familie an die Oldenburger Grafen widerspiegelt.

Backsteinbauweise war in Nordwestdeutschland inzwischen weit verbreitet.  Gotische Fensterformen, Spitzbögen und Zierfriese zeigten den Einfluss der städtischen Baukunst. Innenräume waren mit Balkendecken, Kaminen und Wandmalereien ausgestattet, deutlich komfortabler als die früheren Burgen. Das Wappen der von Lienen dürfte über dem Torbogen oder an einem Fenstersims angebracht gewesen sein.

Das folgende Bild zeigt eine mögliche künstlerische Rekonstruktion als historische Annäherung. Der Hof lag in der Mühlenstraße an der Haaren in Oldenburg und wurde als Eigenbesitz der Familie geführt. Mit dem Verkauf des Hofes 1591 endet die nachweisbare Präsenz dieser Linie der Familie in Oldenburg. Der Hof gehört zu den heute verschwundenen Adelssitzen der Stadt.





 


Die Ritter von Lienen 
Seit dem 11. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff Ministerialen ritterlich lebende Dienstleute mit eigener oder delegierter Herrschaft sowie politischem Einfluss. Ihre kampferprobtesten Mitglieder bildeten mit Angehörigen des Hochadels die Ritterschaft. Mit dem zunehmenden Bedarf an Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdiensten wurde aus den Ministerialen ein neuer Stand. Seit König Konrad II. (1024-1039) wurden sie als Vögte oder Burggrafen und Landrichter zur Verwaltung des Reichsguts eingesetzt. Die Reichsministerialen nahmen eine gesonderte Stellung ein. Sie unterstanden direkt dem König bzw. Kaiser des Heiligen Römischen Reichs, nahmen weitreichende, gehobene Verwaltungsaufgaben wahr und leisteten Kriegsdienst als schwere Panzerreiter. Reichsministerialen verfügten somit über Bildung zur Bewältigung von Verwaltungsaufgaben, über Kenntnisse höfischen Lebens und Erfahrung im Kampf. Im 12. Jahrhundert setzte ein Angleichungsprozess an den Stand der Edelfreien ein. Die Reste der Unfreiheit verschwanden. Die Dienstlehen wurden zu erblichen Lehen. Die Ministerialen bezeichneten sich nun mit dem Titel "milites" (Ritter).



Ab dem 12. Jahrhundert war die Ritterbürtigkeit die Voraussetzung für eine Aufnahme in den Ritterstand. Kaiser Barbarossa hatte Ende des 12. Jahrhunderts sogar das Verbot ausgesprochen, Söhne von Bauern oder Priestern in den Ritterstand zu erheben. In einem feierlichen Akt, dem sogenannten Ritterschlag, wurde man zum Ritter erhoben. Im Hochmittelalter (etwa 1000 bis 1250) galten die Ministerialen als die eigentlichen Schöpfer und Träger der ritterlich-höfischen Kultur.




Seit dem 13. Jahrhundert waren die Ministerialen im niederen Adel aufgegangen und bildeten den Kern des Ritterstandes. Sie bildeten einen erblichen Stand des sogenannten niederen oder ritterbürtigen Adels. Die Geburt von ritterlichen Ahnen war also Voraussetzung für die Aufnahme in den Ritterstand. Die "milites" stiegen zu den "nobiles" auf.

Fast alle bekannten Angehörigen der Familie von Lienen zwischen 1190 und 1420 erscheinen in den Quellen als Ministeriale der Bremer Erzbischöfe und zunehmend seit dem 14. Jahrhundert auch im Dienste der Grafen von Oldenburg.


Eine Sage erzählt, der Eid, den die Ritter von Lienen leisten mussten, band sie nicht nur an den Erzbischof, sondern auch an "die unsichtbaren Wächter", die seit Erpo und Dietrich von Stelle über die Familie wachten. Der Eid lautete angeblich: „Ich diene, solange das Wasser fließt und der Nebel wacht“. Doch niemand weiß, ob dies wirklich die Worte waren, denn der Eid, so hieß es, durfte niemals laut gesprochen werden.




Im Erzbistum Bremen wurden in einer Urkunde Erzbischof Liemars erstmals im Jahr 1091 Ritter erwähnt. In späteren Überlieferungen wird eine Verbindung einzelner Ritter von Lienen zum Deutschen Orden erwähnt, der um 1200 gegründet wurde; urkundliche Belege dafür sind jedoch nicht bekannt.

Ein Mönch aus Bremen schrieb vermutlich im 13. Jahrhundert: „Die Lienener tragen zwei Schwerter: eines für den Erzbischof, eines für den Orden, der sie rief“.




Zwischen ca. 1220 und ca. 1420 sind urkundlich benannt:

Ritter Albero I. von Lienen (*genannt 1168)
Ritter Albero II. von Lienen  (*1190, urkdl. 1222)
Ritter Hermann von Lienen (urkdl. 1247)
Ritter Reimbert von Lienen (urkdl. 1244, 1249, 1256)
Ritter Friedrich von Lienen (*1218, urkdl. 1277)
Ritter Berthold von Lienen (urkdl. 1289)
Ritter Heinrich (Henricus) von Lienen (urkdl. 1289)
Ritter Erich (Alberich) von Lienen (urkdl. 1290)
Ritter Erpo von Lienen (urkdl. 1294)
Ritter Erich (Alberich) von Lienen (*1282, urkdl. 1304)
Ritter Friedrich von Lienen (urkdl. 1337, 1344)
Ritter Otto I. von Lienen (urkdl. 1350, 1369)
Ritter Otto II. von Lienen (urkdl. 1418)




In einer alten Schmiede in der Nähe des heutigen Berne soll laut einer alten Geschichte ein geheimnisvoller Schmied gearbeitet haben, der nur nachts erschien. Die Ritter von Lienen ließen dort ihre besten Waffen fertigen. Niemand wusste, wer der Schmied war, doch sein Hammer klang wie ein Donner in der Nacht. Als die Ritterlinie im 15. Jahrhundert erlosch, verschwanden die Schwerter. Doch noch lange Zeit berichteten Bauern, dass sie im Morgengrauen ein bläuliches Leuchten über den alten Wurten sahen. Manche glaubten, die Schwerter liegen dort verborgen und warten auf jemanden, der würdig ist, sie zu führen.



Seit dem Spätmittelalter prägte das Rittertum nicht nur den eigentlichen Ritterstand, sondern auch die Lebensweise des gesamten christlich-europäischen Adels. Ein wichtiger Begriff in diesem Zusammenhang ist bis heute die Ritterlichkeit. Die ritterlichen Tugenden bestanden aus Normen, die das Ansehen des Rittertums und damit des Adels erhalten und begründen. Die Wertvorstellungen der Ritterlichkeit umfassten im Hochmittelalter  (mittelhochdeutsch): diemüete, êre, güete, hôher muot, höveschkeit, manheit, mâze, milte, minne, staete, triuwe, werdekeit, zuht. Nach heutigem Sprachgebrauch bedeuten diese Tugenden: Demut, ritterliches Ansehen, Würde, Freundlichkeit, seelische Hochstimmung, Höfischkeit, Höflichkeit, Tapferkeit, maßvolles Leben, Zurückhaltung, Freigiebigkeit, Großzügigkeit, Dienstbare, hingebungsvolle Liebe, Beständigkeit, Festigkeit, Treue, Würde, Erziehung nach festen Regeln, Anstand, Wohlerzogenheit.

Höhere Bildung war im Mittelalter überwiegend freien Männern vorbehalten. Als frei galt im Mittelalter, wer nicht in persönlicher Abhängigkeit stand.

Die gelehrten sogenannten sieben freien Künste des Mittelalters zeigt das folgende Bild. Der untere Kurs umfasste das sogenannte
Trivium mit Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Dieses wurde in den danach benannten Trivial- oder Elementarschulen gelehrt. Der obere Kurs bildete das Quadrivium mit Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie, was nur in höheren Lehranstalten vorgetragen wurde.




Der Adel erhielt eine andere Form der Ausbildung als der Klerus, stärker praxis‑ und standesbezogen.  Die Bildung und Erziehung unterlagen keinem festen Lehrplan, sondern beinhalteten die Übung von überlieferten Gewohnheiten. Dazu gehörten zum Beispiel das Jagen, Fechten, Reiten, Schwimmen und Bogenschießen, aber auch die Kenntnis von Liedern und das Lernen von Spruchweisheiten.

In der Wesermarsch erzählte man sich, dass es eine achte Kunst gab. Eine Kunst, die nicht in Büchern stand. Eine Kunst, die nur wenigen offenbart wurde und unter ihnen besonders den Rittern von Lienen. Die achte Kunst war nicht Wissen. Sie war Wahrnehmung. Die Fähigkeit, das zu erkennen, was nicht geschrieben steht. Das zu hören, was nicht gesagt wird. Das zu sehen, was nicht gezeigt wird. Ein Chronist schrieb: „Die Lienener sprechen wenig. Doch ihr Schweigen ist gelehrter als mancher Predigt“.


Bezüglich Minnegesang ist seitens der Ritter von Lienen nichts überliefert.
 




Die "von Lienen" treten nicht nur im Zusammenhang mit dem Erzbistum Bremen auf, sondern auch sehr oft als Zeugen von Geschäften, die den Machtbereich der Grafen von Oldenburg betreffen.
Und auch auf weitere Weise gab es Verknüpfungen nach Oldenburg. So hatten beispielsweise die Ritter Berthold von Lienen und Erpo von Lienen jeweils eine Oldenburger Ministerialin zur Frau. Trotz des gehobenen Standes zeigte sich im 13. und 14. Jahrhundert aber in solchen Fällen die Abhängigkeit von dem jeweiligen Landesherren in deutlicher Weise. Bei einer Ehe aus verschiedenen Dienstmannschaften gehörten die Kinder jeweils zur Dienstmannschaft der Mutter und konnten in Einzelfällen von dem jeweiligen Landesherren gegen ein Kind aus der jeweils anderen Dienstmannschaft getauscht werden.

Als Graf Christian von Oldenburg und Erzbischof Giselbert von Bremen im Jahr 1288 einen Streit beilegen wollten, verlangten sie ein Zeichen des Friedens. Nicht Gold, nicht Land, sondern ein Kind. So wurde Friedrich, der Sohn des Ritters Berthold von Lienen, an den Erzbischof gegeben. Im Gegenzug erhielt Oldenburg Reinfried, den Sohn des Ritters Otto Slore, der mit einer Bremer Ministerialin verheiratet war.

Acht Jahre später geschah es erneut. Diesmal traf es Friedrich, den Sohn des Ritters Erpo von Lienen. Er wurde an Bremen gegeben, und Oldenburg erhielt Hildeburg, die Tochter des Ritters von Zwischenahn, der ebenfalls eine Bremer Ministerialin geheiratet hatte.







Das Wappen der Familie von Lienen
Mit dem Aufkommen des hochmittelalterlichen Rittertums entwickelte sich auch die Heraldik. Der Ritter trug als Erkennungszeichen sein Wappen auf dem Schild. Später wurde das Wappen zum Familienkennzeichen und diente auch zur Besitzmarkierung.

Die Farbgebungen der Familienwappen der Familien von Stelle / von Lienen sind in den überlieferten Quellen gut belegt. In Anlehnung an die Tingierungen Rot und Silber des Bremer Erzstiftes entwickelte sich aus dem Wappen der v.Stelle (roter Schrägrechtsbalken) für den Zweig der v.Lienen durch Kippung des Balkens ein roter Pfahl, jeweils auf Silber. Nach heraldischen Regeln sind die Farben weiß und silber dabei gleichwertig zu sehen.



Als Albero I. von Lienen den neuen Zweig der Familie begründete, soll er in einer stürmischen Nacht allein in der Burg Lienen gewacht haben. An der Wand hing das alte Wappen der von Stelle. Albero betrachtete es lange und spürte, dass es nicht mehr zu seinem Weg passte. Er war nicht nur ein Sohn der Stelle‑Linie. Er war der Begründer eines neuen Hauses. Plötzlich, so erzählt man, schlug ein Blitz in der Nähe der Burg ein. Der Schlag ließ das Wappen von der Wand fallen und Albero sah, dass der rote Balken nicht mehr schräg, sondern senkrecht stand. Albero erklärte darauf, dass das neue Wappen der Lienener ein roter Pfahl auf Silber sein solle. Die Leute fragten, warum der Balken gekippt worden sei und Albero antwortete: „Der Balken wies den Weg. Der Pfahl hält das Land.*)“. Und so wurde der rote Pfahl zum Zeichen der neuen Linie, ein Symbol für Standhaftigkeit, für die Verbindung zwischen Himmel und Erde, und für die Treue zum Erzstift Bremen.

*) Anmerkung: In der heraldischen Literatur wird der schrägrechte Balken gelegentlich als „Wegzeichen“ gedeutet. Laut Albero I. war dieser Weg nun mit Begründung der Burg Lienen vollendet, womit der schräge Balken zum senkrechten Pfahl verändert wurde.







Urkunden und Siegel
Bei den Familien von Stelle und von Lienen gibt es in den Quellen seit 1222 die Vornamen Albero und Friedrich (Friedericus). Diese Namen wurden über mehrere Generationen weiter gegeben. Mitglieder beider Familien kommen seit 1222 oft gemeinsam in Urkunden vor. In den Urkunden wurde der Familienname später von Linen, von Line oder auch als von Lyne aufgeführt. In frühen Urkunden sowie auf Siegeln und Familienwappen wird der Name in der lateinischen Form als de Line genannt. Seit etwa dem 19. Jahrhundert ist die Nennung des Familiennamens durchgehend von Lienen. Die Vorsilbe "von" bzw. die in Urkunden übliche mittelalterliche lateinische Übersetzung "de" wurde damals zunächst aus rein praktischen Gründen zur Beschreibung der Herkunft verwendet. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus der Charakter eines Familiennamens.

In Siegeln und Urkunden wurde das Wappen in der Form verwendet, dass es mit dem Namen des Besitzers umschrieben wurde. Oben in der Mitte begannen die Siegel mit einem Kreuz. Danach folgte ein S als Abkürzung für das lateinische Wort Sigilum (Siegel). Im Anschluss daran folgte der Name des Besitzers in der lateinischen Genitiv-Form. Diese Form des Wappensiegels war für Ministerialen charakteristisch. Die ersten urkundlichen Zeugnisse für die Verwendung von Wappensiegeln durch Ministerialen im Erzstift Bremen stammen aus der ersten Hälfte des 13.Jahrhunderts.

Die Siegel des Ritters Albero II. von Lienen (1220) und des letzten bekannten Ritters Otto II. von Lienen (1420) sowie des Ritters Berthold von Lienen aus der Zeit um 1300 zeigen den gotischen Schild mit dem mittig platzierten Pfahl des Familienwappens.




Beispielhaft zeigt das folgende Bild, wie ein solches Siegel an den damaligen Urkunden ausgesehen hat.





Eingemauert in einer späteren Feldsteinmauer nahe der Wurt fand man ein Fragment mit verblasster Bemalung. Manche glauben, es sei ein Stück des echten Wappenschilds der von Lienen. Alte Chronisten schreiben: „Ein Splitter des Schilds reicht, um Mut zu wecken“.



Die Zerstörung der Burg Lienen
1108 wurde die heutige Stadt Oldenburg unter dem Namen „Aldenburg“ erstmals urkundlich erwähnt. Im 12. Jahrhundert nutzten die Grafen von Oldenburg dort die günstige Lage zum Bau einer Wasserburg. 1152 wurde Friedrich I. (Barbarossa) zum König gewählt und 1155 zum Kaiser gekrönt. 1158 bestätigte er dem Erzbischof von Bremen Hartwig I. die Grafenrechte über Stedingen.
Durch lehensrechtliche Verleihung wurde dieses Land westlich der Weser vom Erzbistum Bremen an die Grafen von Oldenburg weitergegeben. Die Bezeichnung „Heiliges Reich“ erscheint in kaiserlichen Urkunden ab der Mitte des 12. Jahrhunderts. Im 13. Jahrhundert wurde der Zusatz „römisch“ gebräuchlich, da sich die deutschen Herrscher als Nachfolger der Herrscher des ehemals mächtigen römischen Reichs sahen und sich in Rom vom Papst zum Kaiser krönen ließen.  Die Grafschaft Oldenburg stand zunächst im Lehnsverband des Herzogtums Sachsen. 1167 starb Graf Christian I. von Oldenburg während der Belagerung von Oldenburg durch den Herzog von Sachsen (Heinrich der Löwe). Der Nachfolger von Christian I. war Moritz I. von Oldenburg. Dieser war beim Tod seines Vaters aber noch unmündig, wodurch zunächst Heinrich der Löwe die Herrschaft über Oldenburg an sich nahm. Im Jahre 1180 wurde Heinrich der Löwe von Kaiser Barbarossa entmachtet und das Herzogtum Sachsen aufgeteilt. Graf Moritz I. von Oldenburg erhielt von Kaiser Barbarossa seine Herrschaftsrechte zurück. Die dadurch selbständig gewordene Grafschaft Oldenburg machte nun ihre Vogteirechte in Stedingen geltend.



Die Oldenburger Grafen kümmerten sich zunächst lange Zeit kaum um die ehemals unwirtliche Gegend, welche im Wesentlichen aus Mooren und Sümpfen bestand. Die Stedinger entwässerten im Laufe der Jahre das Land und bauten Deiche, wodurch eine intensive Besiedelung des Landes möglich wurde. Mit wachsendem Wohlstand wurde allerdings auch das Interesse der Oldenburger Grafen an dieser Region größer und sie errichteten südlich der Hunte die Lechtenburg. Die Lechtenburg war von der Bauart als Motte ausgeführt und hatte ein Fundament und Grundmauern aus Stein.

Die Burgen der Oldenburger Grafen an der Weser waren bewusst zu einem Teil aus Holz gebaut. Diese Bauart mussten die Oldenburger Grafen dem Bremer Erzbistum aufgrund dessen Sorge um den freien Handel über die Weser meist zusichern. (Dass diese Sorge durchaus berechtigt war, zeigte sich im Laufe der Geschichte erst zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Dann begannen die Oldenburger Grafen, Weserzoll zu erheben, der erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgehoben wurde.).





Die im Umland der Burg Lienen ansässigen Stedinger Bauern sollten nun den "Zehnten" als Steuerabgabe auch an die Grafen von Oldenburg entrichten, obwohl sie aufgrund eines Vertrages mit dem Erzbistum Bremen neben dem "Kirchenzehnten" eigentlich von allen weiteren Abgaben befreit sein sollten. Verstärkt durch überlieferte  Gewalttaten seitens der Burgbewohner entwickelte sich in der Bauernschaft ein Widerstand gegenüber dem Adel, der letztendlich zum offenen Aufstand umgeschlagen ist. Im Laufe der Jahre entwickelte sich hieraus ein Konflikt, der später als "Stedinger Krieg" in die Geschichte eingehen sollte.


 


Der Historiker und Publizist Heinrich von Treitschke (19. Jahrhundert) beschreibt in seinem Gedicht "Die Stedinger Ketzer" im ersten Teil des Gedichtes ("i. Der Frevel") wie eine junge Frau auf die Burg Lienen entführt wird.
Im zweiten Teil des Gedichtes ("ii. Burg Lienen") wird von der Zerstörung der Burg Lienen und der Lechtenburg in Gedichtform berichtet. Teil drei und vier handeln von dem Kreuzzug gegen die Stedinger und deren Besiegung. Das Gedicht ist im Anhang dieser Webseite zu finden. Der Inhalt des ersten Teils des Gedichtes wird von Historikern allerdings eher einer Entführung auf die Lechtenburg zugeschrieben, bei der Eler von Elmeloh, ein Oldenburger Vogt der Lechtenburg, Erpo von Huntorp und dessen Tochter Tjalda entführte und auf die Lechtenburg brachte, um von den Bauern den Zehnten zu erpressen. Dieses Ereignis gilt in der Forschung als möglicher Auslöser des Aufstandes der Bauern des Stedinger Landes gegenüber den Grafen von Oldenburg. Die Stedinger Bauern baten im ersten Moment die Bewohner der Burg Lienen um Hilfe, diese hielten sich aber wohl zurück, um sich nicht zwischen die Herren aus Oldenburg und Bremen zu stellen. Die Stedinger Bauern hielten darauf eine Versammlung ab ("einen Thing") und beschlossen, die Lechtenburg und auch die Burg Lienen zu stürmen.

In den alten Quellen heißt es dabei, dass die Stedinger zunächst nur vorgaben, den "Zehnten" zu zahlen und Getreidesäcke zur Burg Lienen brachten. In den Säcken hatten sich aber bewaffnete Bauern versteckt und diese verschafften den stürmenden Stedingern den Zugang zur Burg. 



Die Burg Lienen wurde um das Jahr 1204 durch die Stedinger Bauern gestürmt und zerstört.
Neben der Burg Lienen zerstörten die aufständischen Stedinger Bauern auch die Lechtenburg.

Aller Wahrscheinlichkeit nach war
Ritter Albero I. von Lienen gemeinsam mit seiner Frau Bewohner der Burg Lienen und beim Sturm der Stedinger ums Leben gekommen. 

Als die Stedinger die Burg stürmten, fiel Albero I., so die Überlieferung, nicht durch eine Klinge, sondern durch den Einsturz des brennenden Turms, den er bis zuletzt verteidigte. Seine Frau soll an seiner Seite gestanden haben.

Deren Sohn Albero II. ("Albero der Jüngere") dürfte bei der Zerstörung der Burg etwa 14 Jahre alt gewesen sein und wohl in seiner Ausbildung zum Knappen an einem anderen Ort, was nach den überlieferten Zusammenhängen am ehesten auf die Burg Hagen des Erzbistums Bremen deutet.






Die Ursachen des Aufstands lassen sich aus den damaligen Umständen erklären. Der Auslöser des Aufstands der Stedinger ist dabei aller Wahrscheinlichkeit nach im Umfeld der Lechtenburg und der damit verbundenen Vorgehensweise der Oldenburger Grafen sowie der Taten der Burgbewohner der Lechtenburg selbst zu suchen.

Als Albero II. Jahre später zurückkehrte, um den Namen seiner Familie wiederherzustellen, soll er das alte Wappen seines Vaters gefunden haben, verkohlt, gebrochen, aber noch erkennbar. Der junge Ritter sagte: „Solange der Pfahl steht, steht auch unser Haus“.



Die Schlacht bei Altenesch
Durch weitere gewonnene Kämpfe stieg der Drang nach Autonomie bei den Stedinger Bauern weiter an und schließlich verweigerten sie auch die Zahlung des "Kirchenzehnten". Mehrere Versuche seitens des Bremer Erzbistums und der Grafen von Oldenburg, die Stedinger zu bezwingen, scheiterten. Im Jahr 1229 besiegten die Stedinger Bauern ein Heer unter dem Kommando von Hermann von der Lippe, welcher der Bruder des Erzbischofs Gerhard II. war. Im Jahre 1233 siegten die Stedinger über ein Ritterheer, welches vom oldenburgischen Grafen Burchard von Oldenburg angeführt wurde. Um Unterstützung  zu gewinnen, beschuldigte der Bremer Erzbischof Gerhard II. die Stedinger gegenüber Papst Gregor IX. in Rom, dass diese Priester und Mönche getötet hätten und Kirchen und Klöster beraubt oder verbrannt hätten. Auf Grund dieser Anschuldigungen erklärte der Papst die Stedinger zu Ketzern und erließ eine Kreuzzugsbulle gegen die Stedinger. In den Papstbullen wurde den Stedingern zur Last gelegt:

Gewalttaten gegen weltliche und geistliche Personen
Verunehrung der Hostie
Abergläubische Verehrung böser Geister
Weigerung, in die kirchliche Gemeinschaft zurückzukehren

Am 27.05.1234 (datiert zwischen dem fünften und sechsten großen Kreuzzug) kam es schließlich zur "
Schlacht bei Altenesch" und die Stedinger wurden vom Kreuzfahrerheer im Rahmen des einzigen Kreuzzuges, der auf deutschem Boden geführt wurde, besiegt.




Mit einem in den Quellen genannten Heer von etwa 6000 bewaffneten Kriegern (davon ca. 800 Ritter) wurden die etwa 4000 Stedinger Kämpfer unter Führung von Thammo von Huntorp, Detmar zum Diek (tom Dyk) und Bolko von Bardenfleth geschlagen. Die Zahl der ums Leben gekommenen Stedinger wird darin mit bis zu 6000 angegeben.  Die Sieger teilten daraufhin Stedingen unter sich auf. Der größte Teil fiel an die Grafen von Oldenburg, doch überließen diese das Land zu einem großen Teil den noch verbliebenen, besiegten Stedingern oder neuen Kolonisten zu Meierrecht, welches mit der Abgabenpflicht "des Zehnten" verbunden war. Viele der einst von den Stedinger Bauern bewohnten Höfe waren nach der Schlacht von Altenesch verwaist und der Besitz der überlebenden Stedinger war aufgrund der Ketzergesetze verfallen. Somit wurde das Land neu verpachtet. Es ließen sich auch einige Kreuzfahrer nieder, die als Lohn für ihre Kriegsdienste ein Stück Land in Stedingen zugewiesen bekamen.




Im Museum des Oldenburger Schlosses ist heute noch ein Schwert aus der Schlacht von Altenesch ausgestellt. Auf dem Schlachtfeld selbst steht heute die St.-Gallus-Kirche, welche im Jahr 1299 geweiht wurde.

Man sagt, dass die Glocke der Kirche in manchen Nächten zweimal geläutet hatte, einmal für die Lebenden, einmal für die Gefallenen.


Seit 1834 erinnert ein gusseiserner Obelisk an der Landstraße 875 in Lemwerder-Altenesch auf dem Veithügel an die Schlacht von Altenesch. Noch heute wird in Gedenken an die gefallenen Stedinger an diesem Denkmal jährlich ein Kranz niedergelegt.

Als der gusseiserne Obelisk errichtet wurde, soll der Schmied, der die letzte Platte anbrachte, plötzlich aufgeschreckt worden sein. Er schwor später, er habe eine kalte und schwere Hand auf seiner Schulter gespürt. Niemand war hinter ihm. Der Schmied sagte: „Es war einer von ihnen. Einer, der wollte, dass wir uns erinnern“.


In der Stadt Bremen erinnern die Bardenfleth-Straße, die Huntorp-Straße und Tom-Dyk-Straße an die damaligen Stedinger Heerführer und die Straße "Stedingsehre" an die Schlacht bei Altenesch. Seitens der Kirche wurde an den Sieg über die Stedinger bis zur Reformationszeit jährlich am letzten Sonnabend vor Christi Himmelfahrt mit einer feierlichen Prozession gedacht.





Eine Beteiligung eines Ritter von Lienen an der Schlacht bei Altenesch ist nicht überliefert. Auch bezüglich sonstiger mutmaßlicher Vergeltungen der Ritter von Lienen gegenüber den Stedingern aufgrund des vorangegangenen Angriffs auf die Burg Lienen ist nichts bekannt.

Albero II. soll gesagt haben: „Ein Haus, das nur von Rache lebt, stirbt zweimal“. Und so beschloss er: Er würde in dieser Schlacht nicht kämpfen. Nicht für die Kirche. Nicht gegen die Stedinger. Nicht für Rache. Nicht für Ruhm. Und obwohl er an der Schlacht nicht teilnahm, behaupteten manche überlebende Stedinger später, sie hätten während des Kampfes eine Gestalt weit entfernt, am Rand des Feldes gesehen: hochgewachsen, ohne Banner, ohne Wappen und ohne Schwert. Die Gestalt griff nicht ein. Sie beobachtete nur. Die Stedinger sagten wohl später: „Es war einer, der uns nicht hasste“.


Die Erzbischofsfehde

Moritz von Oldenburg gehörte zum Oldenburger Grafenhaus und war Erzbischof von Bremen. Auf Drängen des Papstes sollte Moritz von Oldenburg zugunsten des Osnabrücker Bischofs Gottfried von Arnsberg auf das Amt des Erzbischofs verzichten. Es entstand ein größerer Konflikt, der später als die sogenannte Erzbischofsfehde in die Geschichte einging. Letztendlich zog Moritz von Oldenburg mit einem in den Quellen angegebenen Heer von 900 Rittern gegen Bremen. Zu seinen Verbündeten zählten auch die Grafen von Oldenburg und nach den überlieferten Angaben Otto von Lienen.





In dem Gefecht fielen etwa 30 Bremer und weitere gerieten in Gefangenschaft - die übrigen zogen sich hinter die Mauern der Stadt zurück. Nach diesem Konflikt blieb Gottfried von Arnsberg zwar Erzbischof, aber Moritz von Oldenburg behielt die Kontrolle über das Erzbistum als sogenannter Koadjutor oder Administrator.

Im Rahmen dieser Erzbischofsfehde wurde Otto I. von Lienen 1350 nach den überlieferten Berichten vor dem Bremer Ostertor von Moritz von Oldenburg zum Ritter geschlagen.

Als die Reihen der Oldenburger wankten und die Bürger mit lautem Ruf vorstießen, stellte sich Otto ihnen entgegen und hielt stand, wo andere zurückwichen. Man sah, wie er mit festem Arm den Schild hob und die Seinen sammelte, sodass der Angriff der Bürger gebrochen ward. Da ritt Moritz selbst herzu, und mitten im Lärm des Kampfes legte er Otto die Schwertklinge auf die Schulter und sprach vor allen: „Für deine Treue und deinen Mut sollst du Ritter sein.“ Und so wurde Otto von Lienen vor dem Ostertor zum Ritter geschlagen, nicht in Frieden und Feier, sondern im Staub des Schlachtfeldes.


Am 13. Juli 1350 verständigte sich Moritz auf einen Waffenstillstand mit dem Rat. Um die Fehde beizulegen wurde unter anderem der Edelherr Konrad VIII. von Diepholz als Schiedsrichter eingesetzt.




Graf Moritz hatte die Unterstützung des Rates der Stadt Bremen und auch des Domkapitels. Gegen den Papst konnte er sich aber später nicht mehr durchsetzen und so wurde gegen seinen Willen im Jahr 1361 Albrecht II. Erzbischof von Bremen, welcher erfolglos versuchte, die Macht in Bremen an sich zu reißen. Im Jahr 1366 wollte Albrecht II. einen Streit zwischen den Bremer Zünften und dem Rat zu seinen Gunsten ausnutzen und ließ die erste Bremer Rolandsfigur verbrennen, welche als Symbol der Freiheit auf dem Bremer Marktplatz zunächst aus Holz errichtet wurde. Bremen machte sich im Laufe der Jahre aber vom Erzstift unter Albrecht II. unabhängig und
sein aufwendiger Lebensstil und politische Konflikte führten dazu, dass er das Stedinger Land an die Grafen von Oldenburg verpfänden musste, wodurch dieses Land neben dem Verlust weiterer Kirchengüter dem Bremer Erzbistum verloren ging. Nach vielen Auseinandersetzungen zwischen Oldenburg und Bremen blieb das Stedinger Land links der Weser letztendlich im Besitz der Oldenburger Grafen.

Das 14. Jahrhundert - Weitere Ereignisse
Die Bremer Ratsfehde von 1304/05 war ein kurzer, aber heftiger Machtkampf innerhalb der Stadt. Zwei rivalisierende Gruppen im Rat gerieten so stark aneinander, dass eine Partei aus Bremen vertrieben wurde. Die Vertriebenen verbündeten sich daraufhin mit Teilen des erzbischöflichen Adels und begannen eine bewaffnete Fehde gegen die Stadt. Bremen setzte sich militärisch durch, festigte die Macht des Rats und stärkte seine politische Unabhängigkeit gegenüber dem Umland. Die Fehde gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg Bremens zur selbstbewussten, weitgehend autonomen Hansestadt.

Das Stadtrecht erhielt Oldenburg im Jahr 1345 durch Graf Konrad I. von Oldenburg. Die Pest breitete sich zwischen 1347 und 1351 durch ganz Europa aus. Städte wie Bremen und Oldenburg wurden besonders hart getroffen. 1356 wurde durch Karl IV. die goldene Bulle erlassen. Es sollten von nun an die sieben Kurfürsten den König wählen. Das waren die Erzbischöfe von Mainz, Trier und Köln (der Anteil der geistlichen Reichsfürsten) sowie dem Herzog von Sachsen, dem Markgrafen von Brandenburg, der König von Böhmen und dem Pfalzgrafen vom Rhein. Die Goldene Bulle gilt als eines der wichtigsten Verfassungsdokumente des Reiches, im heutigen Sinne eine Art Grundgesetz. 

Bei der Flutkatastrophe von 1362, der sogenannten zweiten "Marcellusflut", mit zeitgenössischen Berichten von sehr hohen Opferzahlen , soll die Kirche von Lienebrok versunken sein.



Eine Sage berichtete, dass diese Kirche bereits lange vor der Flut leer gestanden hat und Wölfe darin wohnten.

Es entstand durch die eindringenden Wassermassen eine zeitweise Verbindung der Liene mit der Jade, wobei große Bereiche nördlich der Liene überschwemmt wurden. Durch den Deichbau wurde diese Verbindung wieder unterbrochen.

Zwischen den Flüssen Weser und Liene gab es um 1380 herum keine klare Uferlinie. In dieser Zeit sprach man auch vom „Liener Sand“, was bedeutete, dass der Ort zu einer Insel geworden war. Quellen berichten von einer ringförmigen Eindeichung des Gebietes um Lienen herum, welche um 1380 vorhanden war ("Inseldeich") und vor dem Wasser aus Weser und Liene schützte.




Die Glocke der Liener Kirche soll niemals geborgen worden sein. Anwohner berichteten, dass man an manchen Abenden ein tiefes, fernes Läuten gehört hat, wenn Nebel über das Wasser zog.

Im 14. Jahrhundert erreichte die Hanse ihre größte politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Hanse und der deutsche Ritterorden waren über längere Zeit enge Verbündete. Bekannt ist, dass die Bremer Ministerialen an gemeinsamen Kämpfen mit der Hanse beteiligt waren.

Unter Führung Lübecks setzte sich die Hanse im Bund mit dem Deutschen Orden und der Dithmarscher Bauernrepublik gegen den dänischen König Waldemar IV. Atterdag durch und sichert sich durch den "Frieden von Stralsund" die wirtschaftliche Vorherrschaft im Nord- und Ostseeraum. Bremen war als Hansestadt wichtiger Handelspunkt. Waren wurden unter anderem über die Weser zunächst mit den sogenannten Koggen transportiert. Der berühmte Fund der "Bremer Kogge", die im Jahr 1380 in der Weser bei Bremen gesunken war, ist heute im Schifffahrtsmuseum Bremerhaven ausgestellt.




Die Hanse hatte lange Zeit Schwierigkeiten, sich gegen die Seeräuber durchzusetzen. Verschiedene Grafschaften stellten den Piraten  sogenannte Kaperbriefe aus und nutzten damit Freibeuter für eigene Interessen. Die Piraten wurden dadurch zu Freibeutern und griffen im Dienst des Landes fremde Schiffe an. Das machte beispielsweise auch Graf Konrad II. von Oldenburg so. Auch der Sohn von Graf Konrad II. von Oldenburg, Graf Moritz II. von Oldenburg soll den Vitalienbrüdern zeitweise Schutz und Unterschlupf gewährt haben. Im April 1400 gehen die Hansestädte vereint gegen die Seeräuber vor: Elf Koggen mit insgesamt 950 Mann Besatzung erringen einen wichtigen Sieg gegen die Piraten und kurz darauf wird einer der berühmtesten Piraten, Klaus Störtebecker, gefangen genommen.  



Man erzählt sich, dass die Familie von Lienen einst ein breites und schweres Schiff aus dunklem Eichenholz besaß, das in einer der alten Werften an der Unterweser gebaut worden sein soll. Beim Stapellauf sagten wohl die Schiffsbauer, das Holz klinge wie ein Herz, das sehr langsam schlägt. Das langsame Herz des Schiffes sollte angeblich mahnen, nicht zu hastig zu handeln, aber auch nicht zu zögern, wenn der richtige Moment gekommen war.



15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert setzte sich in Mitteleuropa zunehmend der Humanismus durch, und die Renaissance begann sich auszubreiten. Wirtschaft und Handel entwickelten sich weiter und Handelsfamilien wie die Fugger wurden zum Teil so reich, dass sie einen großen Einfluss auf die Politik hatten. Die Macht der Kirche wurde geringer, worauf die Kirche durch härtere Unterdrückung Andersgläubiger reagierte.  Die Erfindung des Buchdrucks förderte die Aufklärung. Viele Territorien entwickelten sich zu stabileren Fürstentümern, und dynastische Herrschaftsformen verfestigten sich. Das Kaiserreich hatte inzwischen den Namen "Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation".

Nach der Niederlage in der Schlacht bei Tannenberg 1410 begann der Deutsche Orden allmählich an politischer Bedeutung zu verlieren.

Die letzte bekannte Urkunde, in der Graf Moritz II. von Oldenburg gemeinsam mit Ritter Otto II. von Lienen genannt wird, stammt aus dem Jahr 1418.

Eine Sage erzählt, dass Otto II. eines Abends allein an die Weser ritt. Er trug keine Rüstung, nur einen einfachen Mantel. Er hielt sein Schwert in der Hand. Nicht zum Kampf, sondern zum Abschied. Er ritt bis zum Rand des Wassers und soll dort das Schwert in den Fluss geworfen haben. Das Schwert sank nicht sofort, sondern blieb einen Moment lang aufrecht im Wasser stehen, wie der rote Pfahl seines Wappens.




Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts sind keine Ritter von Lienen mehr urkundlich nachweisbar. Seit dem Spätmittelalter gewannen leichtbewaffnete Fußtruppen zunehmend an Bedeutung , zunächst lange Zeit neben den immer mehr gepanzerten Ritterheeren. Schließlich verzichtete man um das Jahr 1500 herum aufgrund der veränderten Kriegstechnik fast völlig auf die militärische Mitwirkung der Ritter. Der Ewige Landfriede von 1495 war ein bedeutendes Reichsgesetz, das die Fehdeführung verbot. Unter Maximilian I. wurden wenig später die Reichskreise festgelegt und aus dem "Heiligen Römischen Reich" wurde das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation", welches vom Spätmittelalter bis 1806 Bestand hatte.



Es wurden im 15. Jahrhundert noch einige Familien von Lienen als Knappenfamilien genannt, wie zum Beispiel die Familien der Knappen Alberen (Albern) von Lienen (urkundl. 1480), Borges von Lienen (urkundl. 1473), Jahan (Johan) und Diderick (Dietrich) von Lienen (urkundl. 1477) sowie Otto von Lienen (urkundl. 1482). Die urkundlichen Nennungen beziehen sich meist auf Landverkäufe. Die Knappen gehörten zum niederen Adel und nahmen wichtige lokale Verwaltungs- und Gerichtsämter wahr.  Sie stellten zum Beispiel Deichgrafen, Geschworene und besetzten die wichtigsten politischen Funktionen.

Mit dem Ende des Mittelalters (Spätmittelalter: 1250-1500) endete also auch die Zeit der Ritter und Knappen von Lienen sowie der Ritter anderer Familien der Region Oldenburg / Bremen. Und auch im gesamten Gebiet von Europa ging die Zeit der Ritter mit Ausklang des 15. Jahrhunderts zu Ende.




Die Kanzlei des Erzbischofs Johan Rode zu Bremervörde zählte um 1500 die von Lienen zu den "Geschlechtern, die ehemals Dienstmannen der Bremer Kirche" waren. Dabei ist die Rede davon, dass seitens der Linie "die meisten zwar verkamen" (gestorben sind) aber "etlike (etliche) noch am Leben" seien.

Als das Rittertum verschwand, verloren viele ihre Aufgabe, ihren Stand, ihren Platz in der Welt. Die „etlichen“, die noch lebten, waren laut Erzählungen  jene, die sich dem Wandel nicht widersetzten. Man sagte sich, sie hätten das Schwert gegen die Feder getauscht, den Dienst gegen das Handwerk, den Hof gegen das Dorf. Doch eines behielten sie: „Den roten Pfahl im Herzen“, denn diese Wenigen trugen den Namen von Lienen weiter. Nicht als Ritter, sondern als Menschen, die wussten, woher sie kamen.


16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert gab es viele kleine Fürstentümer und Grafschaften. Die Gesellschaftsstruktur zwischen Adel und Bürgertum änderte sich allmählich. Die ländliche Bevölkerung war vielerorts arm und litt unter Frondiensten und Abgaben. Bauernaufstände erreichten dadurch im 16. Jahrhundert einen Höhepunkt.
Die im Stedinger Land verbliebenen "von Lienen" lebten dort in dieser Zeit vermutlich bäuerlich.

Eine alte Geschichte erzählt von einem Mann namens Didrich Linen, der um 1560 im Stedinger Land gelebt haben soll. Er war Bauer, wie alle anderen. Doch die Leute sagten, er habe einen Blick gehabt, der „durch Nebel und Menschen hindurchsah“. Ein alter Knecht sagte: „Wenn Didrich aufs Feld ging, stand er da wie ein Ritter ohne Rüstung.“ Niemand wusste, woher er diesen Blick hatte. Doch manche flüsterten: „Das ist der Blick derer, die einst auf Türmen standen“.




In vielen Regionen entstanden neue Glaubens-Gemeinschaften. Es entwickelte sich die Kunst, Medizin und andere Wissenschaften. Der Ablasshandel und kirchliche Missstände waren für Martin Luther 1517 zentrale Gründe, seine 95 Thesen zu verfassen.  Diese wurden zum Auslöser für Reformationen in ganz Europa. Letzter Auslöser war eine finanzielle Vereinbarung zwischen Albrecht von Brandenburg und dem Papst, wodurch Albrecht von Brandenburg zusätzlich zu seinem Amt als Erzbischof von Magdeburg auch Erzbischof von Mainz und somit ein für die Königswahl berechtigter Kurfürst werden konnte. Der Papst benötigte das Geld für den Bau des Petersdoms und Albrecht von Brandenburg lieh sich das Geld bei den Fuggern. Dafür durfte er den Ablass in seinen Bezirken predigen, wovon die Hälfte an den Papst ging und die andere Hälfte zum Begleichen seiner Schuld bei den Fuggern vorgesehen war.
Der darauf losbrechende Reformationsprozess durch Martin Luther führte dazu, dass das Gebiet um Lienen herum mit der Grafschaft Oldenburg und dem Erzstift Bremen überwiegend protestantisch wurde und bis heute geblieben ist.

In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Sätze überliefert, wie "Der Glaube ging dorthin, wo das Wasser ihn ließ".

Die heutige Grenze der ev.-luth. Landeskirche Oldenburg zeigt noch nahezu unverändert die ehemaligen Grenzen der Grafschaft Oldenburg bzw. des späteren Herzogtums Oldenburg / Großherzogtums / Landes Oldenburg vor 1946.




Zum Amtsantritt des Oldenburger Grafen Anton I. von Oldenburg im Jahr 1526 wurde ein Otto von Lienen namentlich genannt. Otto von Lienen kaufte ein Haus im Jahr 1521 in der Mühlenstraße in Oldenburg. 


17. Jahrhundert

Das 17. Jahrhundert war vor allem geprägt durch den 30jährigen Krieg. Durch den Krieg selbst und auch durch die dadurch entstandenen Hungersnöte und Seuchen wurden ganze Landstriche verwüstet und entvölkert. Während dieses Krieges bewahrte der Landesfürst und Reichsgraf von Oldenburg Graf Anton Günther durch seine Neutralitätspolitik gegenüber den kriegsführenden Mächten und einzelnen Heeresführern sein Land als eines der wenigen Territorien weitgehend vor Not, Elend und Verwüstung. 

Eine Legende erzählt, Graf Anton Günther habe den ligistischen Feldherrn Graf von Tilly vom unmittelbar bevorstehenden Überfall auf die Stadt Oldenburg abhalten können, indem er ihm wertvolle Pferde schenkte und ihm einen Weg durch die Moore verriet.

Graf Anton Günther gründete den heute noch bekannten Kramermarkt im Jahr 1608.
Nach dem Großbrand in Oldenburg im Jahre 1678, bei dem nahezu die ganze Stadt zerstört wurde, siedelten sich viele Menschen im Umland der Stadt an. Besitz und Urkunden sind zu einem großen Teil verloren gegangen. Die folgende Karte zeigt das Stadtbild von Oldenburg unmittelbar vor dieser Brandkatastrophe um das Jahr 1650. Die Stadt Oldenburg hatte zu dieser Zeit etwa 4000 Einwohner.



In Bremen wurden noch mehrere Ratsfamilien v. Lienen erwähnt, deren Linie nach jetzigem Kenntnisstand 1786 mit dem Tod des Hermann von Lienen (Bremens Bürgermeister 1773-76) endete. Die Karte zeigt das Stadtbild von Bremen von ca. 1650. Bremen hatte zu der Zeit etwa 25.000 Einwohner. Um 1350 waren es ca. 10.000. Das Erzstift Bremen wurde mit dem westfälischen Frieden von 1648 säkularisiert und zum Herzogtum erklärt. Schweden erhielt als Kriegsentschädigung zwei große Gebiete im Norden Deutschlands: das Herzogtum Bremen und das Fürstentum Verden Beide zusammen wurden später als Herzogtum Bremen‑Verden bezeichnet. Das Herzogtum Bremen und das Fürstentum Verden blieben staatsrechtlich eigenständige, deutsche Fürstentümer. Der schwedische Monarch wurde zwar Landesherr, aber nicht als König von Schweden, sondern als deutscher Reichsfürst. Das war ein völlig normaler Vorgang im Heiligen Römischen Reich: ausländische Monarchen konnten deutsche Territorien besitzen.



Die Besiedelung um Lienen herum war zur selben Zeit deutlich dünner und kleinteiliger. Die Karte zeigt die damaligen Siedlungen im Gebiet der heutigen Wesermarsch. Aus der damaligen "Harrier Bracke" wurde der Name der heutigen Kreisstadt Brake. Die übrigen dargestellten Ortsnamen kann man den heutigen Ortschaften und Stadtteilen zuordnen.

Eine Geschichte berichtet, dass in einem der alten Bauernhäuser ein verblasstes Wappenbrett im Dachgebälk versteckt gewesen sei. Es zeigte den roten Pfahl auf Silber, doch der Pfahl war kaum noch zu erkennen, wie ein Schatten im Holz. Der Großvater des Hauses soll gesagt haben: „Das ist kein Wappen mehr. Das ist eine Erinnerung“. Und er verbot, es zu entfernen.

Auf der von dem Ort Lienen aus gegenüberliegenden Seite der Weser war zu dieser Zeit noch die Ortschaft Stelle in der Karte eingetragen. Heute ist dieser Ort nicht mehr zu finden. Lediglich der Landstrich "Steller Bruch" erinnert heute an den namensgebenden Ort der direkten Vorfahren der Familie von Lienen - den v.Stelle aus der damaligen Verwandtschaft Erzbischof Liemars.






Aus dem "Oldenburger Häuserbuch" sind weitere Einträge auf den Namen "von Lienen" aus dieser Zeit und danach bis zum großen Brand von 1678 vorhanden.




18.Jahrhundert bis Heute

m 18. Jahrhundert ging das Herzogtum Bremen‑Verden durch einen vertraglich vereinbarten Kaufpreis von rund 1 Million Talern aus schwedischem Besitz an das Kurfürstentum Braunschweig‑Lüneburg über. Dort verblieb es, bis 1866 das Königreich Hannover von Preußen annektiert wurde. Die Grafschaft Oldenburg ging 1774 in das Herzogtum Oldenburg über.

In Form des Großherzogtums gehörte Oldenburg zunächst ab 1815 zum Deutschen Bund, ab 1867 zum Norddeutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen Kaiserreich.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten vermutlich die meisten Angehörigen der Familie von Lienen in diesem Gebiet. Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 trat Bremen als Freie Hansestadt in eine neue staatsrechtliche Phase ein. 1866 trat Bremen dem Norddeutschen Bund bei. 1871 erhielt Bremen im neu gegründeten Deutschen Kaiserreich den verfassungsmäßigen Namen „Freie Hansestadt Bremen“.  Die Stadtgemeinde Bremen ist heute die Hauptstadt des Bundeslandes Freie Hansestadt Bremen (kurz: "Bremen"), zu dem neben der Stadt Bremen auch die Stadt Bremerhaven gehört.

Nach der Novemberrevolution 1918 wurde aus dem Großherzogtum Oldenburg der Freistaat Oldenburg, welcher bis 1946 Bestand hatte. Die Stadt und der Landkreis Oldenburg gehören heute zum Bundesland Niedersachsen. Das "Haus Oldenburg" ist aufgrund bestehender verwandtschaftlicher Beziehungen heute eines der bedeutendsten Geschlechter des europäischen Hochadels, aus dem bis heute mehrere regierende Dynastien hervorgehen.

Am 11. August 1919 wurden mit der Weimarer Reichsverfassung die Vorrechte oder Nachteile der Geburt oder des Standes aufgehoben. Der Adel bildet in Deutschland dennoch bis heute in Teilen eine vergleichsweise geschlossene gesellschaftliche Gruppe.





Die historische Landschaft um Lienen herum gehört heute zum Landkreis Wesermarsch im Bundesland Niedersachsen. Lienen ist heute ein Ortsteil der Stadt Elsfleth. Im Jahr 1933 wurden die Gemeinden Berne, Neuenhuntorf, Warfleth, Bardewisch und Altenesch zu der Gemeinde Stedingen zusammengeschlossen.  1948 wurde die Gemeinde Stedingen wieder aufgelöst und in die Gemeinden Altenesch und Berne geteilt. Im Jahr 1972 wurde Altenesch in Lemwerder umbenannt. An den historischen Namen Stedingens erinnert heute noch der Straßenname der "Stedinger Landstraße", welche die Kirchenstraße in Brake mit dem Beginn der Straße "Am Weserdeich" kurz vor der Ortschaft Lienen verbindet.

Am alten Weserdeich soll ein unscheinbarer Stein liegen, der bei Sonnenuntergang einen rötlichen Schimmer zeigt. Die Sage sagt, ein Vorfahr der Liener Bauern habe dort einst eine glühende Kohle aus einer Schmiede eingeschlossen, als Zeichen für Mut und Standhaftigkeit gegen die Fluten. Wer die Flamme sieht, so heißt es, trägt die Kraft der Marsch in sich.




Die Herkunftslinie Lienen (Osnabrück)
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass im Zuge der Binnenwanderung, beginnend im späten 18. Jahrhundert und verstärkt im 19. Jahrhundert auch Personen aus dem Kirchspiel Lienen bei Osnabrück in den Oldenburger Raum zugezogen sind. Diese konnten unterschiedliche, ortsbezogene Namensformen führen, etwa Lienen, Linnen, Liene, Lienenmann, Linnemann oder die niederdeutsche Form „van Lienen“. Im Prozess der standesamtlichen Erfassung und allgemeinen sprachlichen Vereinheitlichung im 19. Jahrhundert kam es vereinzelt zu Anpassungen und Angleichungen von Schreibweisen, ohne dass damit ein Adelsprädikat verbunden war. Dabei konnten unterschiedliche Varianten in Einzelfällen zu der Form „von Lienen“ konsolidiert werden, insbesondere wenn Herkunftsangaben aus älteren Kirchenbucheinträgen übernommen oder interpretiert wurden. Aus einem Kirchenbucheintrag von beispielsweise "Heinrich Liene, aus Lienen" konnte im standesamtlichen Übertrag "Heinrich von Lienen" werden, wenn Herkunftsangaben irrtümlich als Namensbestandteil interpretiert wurden. Solche Entwicklungen sind jedoch differenziert zu betrachten und stellen kein einheitliches Muster dar. Personen dieser Herkunftsgruppe haben ihren Namensursprung im Kirchspiel Lienen bzw. im Osnabrücker Land. Eine genealogische Verbindung zu der Familie von Lienen aus der Wesermarsch ist für solche Fälle nicht belegt.


Der Uradel von Lienen
Das Institut für Deutsche Adelsforschung bezeichnet die Namensform als historisch adelig. Die Unterscheidung zwischen dem Eintrag "von" und "v." ist allein darauf begründet, dass bei der Erfassung im deutschen Adelsblatt von 1924 der damalige Verfasser, Herr von Gellhorn, in seiner Liste vermeintlich "historisch nicht-adeliger" Familien vermerkt hatte, dass es in einzelnen Fällen adelige oder nicht-adelige Familien mit dem Namenszusatz "von" geben könne. In einigen Adelshandbüchern wurde das „von“ seitdem mit „v.“ abgekürzt, um Namen adeliger Familien mit „von“ von nicht-adeligen Familien zu unterscheiden. Letztendlich folgt diese Vorgehensweise dem damaligen Gebrauch in den Ranglisten der königlich preußischen Armee. Einige Listen gingen dabei sogar so weit, dass in dieser Form zwischen Familiennamen des Ur- und des Briefadels unterschieden wurde.

In der heutigen Zeit ist die Schreibweise "von Lienen" geläufig und der Familienname wird beispielsweise im aktuellen schwedischen Adelsverzeichnis unter "von Lienen" als (historisch) adelig geführt.





Besonders im digitalen Zeitalter fällt oft auf, dass zum Teil durch automatisierte Datenerfassungen oder Eingabeautomatismen von Software der Namenszusatz "von" mit einem großen "V" geschrieben wurde. Das ist nicht nur unschön, sondern entspricht nicht der korrekten Schreibweise des Namens. Es ist auf die korrekte Schreibweise zu achten und eine Korrektur kann mit gegebener Berechtigung und Verweis auf das im bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Namensrecht eingefordert werden.




Zum sogenannten Uradel zählen nach dem Genealogischen Handbuch des Adels Familien, deren "Geschlecht" nachweislich spätestens um 1400 dem ritterbürtigen Adel angehört hat. Ritterbürtigkeit setzte im Mittelalter in der Regel mindestens drei Generationen ritterlicher Lebensweise sowie standesgemäßer Eheschließungen voraus. Nach einer strengeren Auffassung zählen dabei nur solche adelige Familien als ritterbürtige Geschlechter zum Uradel, die urkundlich vor 1350 nachweisbar sind.
Die Urkunden zwischen ca. 1220 und 1420 erfüllen die Kriterien, die üblicherweise zur Einordnung in den deutschen Uradel herangezogen werden.







Viele uradlige Familien schrieben sich bis etwa 1650 ohne das adelige Prädikat von (oder zu), und zwar diejenigen, die sich nicht nach einer Stammburg, sondern nach ihrem Wappensymbol oder einer sonstigen Eigenschaft benannt hatten. Die seit Kaiser Karl IV. verstärkt nach französischem Vorbild durch Diplom in den Adelsstand Erhobenen werden im Unterschied dazu als der sogenannte Briefadel betitelt. Zum Briefadel zählen adelige Häuser ursprünglich bürgerlicher oder bäuerlicher Herkunft, die in der Neuzeit durch einen Adelsbrief (auch Adelsdiplom genannt) in den Adelsstand erhoben wurden. Bis 1806 war es in Deutschland üblich, den Namen des Neu-Geadelten durch einen schön klingenden (Pseudo-) Ortsnamen zu ergänzen.


Eine beispielhafte Linie
Die persönliche Linie des Familienzweiges des Autors dieser Webseite lässt sich bis ins 16. Jahrhundert zu einem Johan von Linen klar belegen und bis zu Ritter Albero I. durch mehrere unabhängige Quellen abgesichert zurückverfolgen. Die konkrete Nachvollziehbarkeit der direkten verwandtschaftlichen Verbindungen zwischen der Mitte des 15. und dem Ende des 16. Jahrhunderts gestaltet sich schwierig. Nach dem Chronisten H. Hamelmann soll der letzte von Lienen ein Johan von Linen gewesen sein, der nach dessen Oldenburgischer Chronica von 1599 im Niederländischen Krieg um 1596 gefallen sein soll.



Quellen nennen als Nachkommen des Johan von Lienen einen Johann von Lienen, geb. um 1590, mit Grundbesitz im Gebiet des früheren Lienebrok, sowie dessen Nachfolger Jürgen von Lienen. Andere Quellen führen dieselben Namen in gleicher Reihenfolge, jedoch mit leicht abweichenden Jahresangaben, und ordnen ihnen Besitz im heutigen Jaderaußendeich zu, rund 15 km nördlich des historischen Lienebrok. In welche Richtungen sich die Familie in dieser Zeit im Detail verzweigt hat, lässt sich heute nicht mehr vollständig und zweifelsfrei rekonstruieren.

Die Verbindung der hier genannten Linie zu den Ministerialen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts wird durch mehrere unabhängige Quellen sowie unabhängig erstellte Ahnentafeln gestützt.
Insgesamt ergibt sich damit folgende Linie dieses Zweiges vom 12. Jahrhundert bis in die Gegenwart. Da in den ältesten Aufzeichnungen häufig nur der männliche Vorname überliefert ist, wird die Liste entsprechend bis heute in dieser Form fortgeführt.



Die Geburtsorte aller hier aufgeführten Personen der kompletten Linie von 1168 bis heute liegen nach derzeitigem Kenntnisstand sämtlich in einem Umkreis von etwa 25 km. Die ersten vier Generationen sowie der hier genannte Otto von Lienen („Otto II.“ 1386) erscheinen in den Quellen als Ritter.


Eigene Wappen-Idee
Das folgende Bild basiert (bis auf das Wappenschild der Familie) nicht auf historischen Quellen, sondern stellt eine vollständig eigene Idee dar. Auch Wahlspruch und Panier sind frei hinzugefügt.



Der hier gezeigte persönliche Wappenentwurf wurde in Anlehnung an die heraldischen Regeln für ein Vollwappen aufgebaut. Es wurde dabei der Versuch unternommen, heraldisch bekannte Symbolik mit modernen Motiven zu kombinieren. Die Farbgebung wurde dabei entsprechend der historisch belegten Tingierung des ursprünglichen Wappens der Familie von Lienen gewählt.

Der Wahlspruch lautet "Ama et fac quod vis!", was so viel bedeutet wie:
"Liebe und Tu, was du willst!".

Das Panier (ehemals der Schlachtruf) über der Helmzier bedeutet:
"Ich versuche es!" oder "Ich wage es!".


Schlusswort
"Als kleiner Junge wollte ich immer auf einem Turm wohnen, wenn ich einmal groß bin. Niemand wusste, warum mich dieser Gedanke begleitete oder woher er kam".

Vielleicht war es nur ein Kindheitstraum oder vielleicht steckt in uns manchmal mehr Geschichte, als wir ahnen. Vielleicht tragen wir Spuren dessen in uns, was unsere Vorfahren prägte, nicht als klare Erinnerung, sondern als leises Echo, das sich in Wünschen oder Bildern zeigt.

Heute, im 21. Jahrhundert, mag der Name von Lienen einer unter vielen sein. Er trägt keine Burg und kein Siegel mehr, doch er trägt eine Geschichte von fast tausend Jahren und eine Linie, die nie ganz abriss, verbunden mit dem leisen Echo des roten Pfahls.

Vielleicht liegt genau darin sein Vermächtnis: nicht, weil der Name einst Ritter stellte, sondern weil er alle Zeiten überdauerte und bis heute geblieben ist. Und vielleicht erklärt es auch, warum ein kleiner Junge einst davon träumte, auf einem Turm zu wohnen – als würde etwas in ihm noch wissen, woher er kommt.

C.M. von Lienen



Impressum
info@vonlienen.de


Quellen

- Hans G. Trüper - Ritter und Knappen zwischen Weser und Elbe
- Otto Piper - Burgenkunde
- Förderkreis Rastede e.V. - Die frühen Oldenburger Grafen
- Archäologisches Museum Hamburg
- Deutsche Digitale Bibliothek 
- Georg Ruseler - Der Kampf um die Lechtenburg
- Artur Conrad Förste - Die Ministerialen der Grafschaft Stade im Jahre 1219 
- Institut für Deutsche Adelsforschung, Kiel
- Karl Arnold Schlönbach - Die Stedinger (Historische Erzählung, 1854)
- Webseite Ulf Neundorfer - Stedinger Online-Chronik
- Webseite Denkmalatlas Niedersachsen
- H. Hamelmann, Oldenburgisch Chronicon, 1599
- Landesmuseum Oldenburg
- Staatsarchiv Bremen
- Niedersächsisches Landesarchiv Oldenburg
- Urkundenbuch des Klosters Lilienthal 1232-1500
- Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden
- "Bremisch- und Verdischer Ritter-Sahl oder
   Denckmahl der hoch-adelichen Geschlechter", 1720
- Zeit für Geschichte - Schrödel
- Wikipedia
- Die Volkssagen des Stedinger Landes, Bremen 1845
- Heraldik-Wiki
- Oldenburger Jahrbuch des Vereins für Altertumskunde
   und Landesgeschichte, Bd. 33 von 1929, Bd. 28 von 1924 und Bd. 37 von 1933
- Heinrich von Treitschke - Vaterländische Gedichte, 1856
- Oldenburgische Gesellschaft für Familienkunde e.V.
- Heimatverein Altenesch e.V.
- Vita Anskarii, Lebensbeschreibung Erzbischof Ansgars
- Martin Uhlig, Historische Instrumente
- Ewald Gierke - Linebrok
- Künstlerische / Historische Rekonstruktionen: KI-generiert

- Aufzeichnungen der Familie



Copyright






 

Anhang:
Die Stedinger Ketzer (Heinrich von Treitschke, Berlin 1856)