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Die Geschichte der Familie von Lienen gehört zu den stillen, aber
tief verwurzelten Linien des norddeutschen Mittelalters. Wer sich ihr
nähert, begegnet nicht nur einem alten Ministerialengeschlecht der
Wesermarsch, sondern einem Stück regionaler Identität, das sich über
fast ein Jahrtausend hinweg erhalten hat. Die Webseite vonlienen.de
zeichnet diesen Weg mit großer Sorgfalt nach: von den frühen Bindungen
an das Erzbistum Bremen und die Grafen von Oldenburg bis hin zu den
verschwundenen Stätten ihres Wirkens: der Burg Lienen, dem Ritterhof der
von Lienen auf dem Rader Sand und dem späteren Burgmannshof in
Oldenburg.
Vorwort
Die nach heutiger Schreibweise
gleichnamigen ehemaligen Osnabrücker Edelherren "von Lienen" (frühere
lateinische Schreibweise in Urkunden: "de Lina") des 12. Jahrhunderts sind
auf dieser Webseite nicht gemeint.
Deren namensgebender Ort war Lienen im heutigen
Kreis Tecklenburg, was erstmals im Jahre 1088 urkundlich als Lina
(mittelhochdeutsch Lina: Ort am Berghang) erwähnt wurde. Dazu gehörten
1172 Amolungus de Lina, 1182 Theodericus de Lina und 1186 Svether de
Lina. Im 13. Jahrhundert ist diese Familie in den bekannten Quellen
nicht mehr nachweisbar.
Das Wappen der heutigen Gemeinde Lienen im Tecklenburger Land entstand
erst durch einen Vorschlag des preußischen Staatsarchivs, da keine
historischen Siegel oder Wappen bekannt waren. Hierin wurde das
historische Wappen der Grafen von Tecklenburg symbolisch mit der
hügeligen Landschaft um Lienen herum in der Form von drei darin
dargestellten Hügeln verknüpft. Die Grafen von Tecklenburg hatten ihr
Herrschaftsgebiet südwestlich von Osnabrück rund um die Burg
Tecklenburg. Zwischen 1180 und 1236 waren sie auch im Besitz der Vogtei
des Bistums Osnabrück.
Eine direkte Verbindung der Gemeinde Lienen im Tecklenburger
Land zu den historischen Rittern von Lienen aus dem heutigen Ortsteil
Lienen im Landkreis Wesermarsch ist nicht bekannt. Verschiedene bekannte
Stammtafeln zeigen eine angenommene Verknüpfung, die historisch jedoch
nicht belegbar ist. Eine Verwechslung dürfte durch den allein nach
heutiger Schreibweise identischen Namen entstanden sein. Ein Vergleich der ursprünglichen
Namensformen („de Lina“ gegenüber „de Line“) verdeutlicht den
unterschiedlichen Ursprung.

Die Ursprünge der Familie von Lienen aus der Wesermarsch reichen in das
späte 11. und frühe 12. Jahrhundert zurück. Die erste sicher
nachweisbare Linie beginnt mit Albero I. von Lienen, geboren 1168, der
aus einer Seitenlinie der Verwandtschaft des Bremer Erzbischofs Liemar
hervorging. Durch die Heirat mit einer Frau aus der Linie der Grafen von
Oldenburg entstand eine Verbindung der von Lienen sowohl zu einer der einflussreichsten
Kirchen Norddeutschlands als auch zu einem der ältesten
Grafengeschlechter der Region. Die Geschichte
der Familie zeigt, wie eng Adel, Kirche und Landschaft im
mittelalterlichen Norden miteinander verflochten waren und wie aus einer
erzbischöflichen Verwandtschaftslinie ein Rittergeschlecht hervorging, das
über Jahrhunderte die Wesermarsch mit prägte. Zugleich macht sie deutlich,
wie Naturkatastrophen, Kriege sowie gesellschaftliche und politische
Umbrüche den weiteren Verlauf der Familiengeschichte immer wieder
beeinflussten und die Entwicklung in wechselnden Epochen neu formten.
Wo alte Höfe stehen und Familien über Jahrhunderte
Wurzeln schlagen, dort sammelt sich nicht nur Geschichte, dort sammeln
sich auch Geschichten. Historische Darstellung und erzählerische
Überlieferung werden auf dieser Seite bewusst voneinander getrennt.
Letztere geben überlieferte Sagen und Deutungen wieder und sind nicht
als gesicherte historische Befunde zu verstehen. Die Seite trennt historische Darstellung
mit normaler Schriftart von erzählerischer Überlieferung in kursiver
Schrift. Hypothesen
innerhalb der historischen Ebene sind dabei klar als Vermutungen
formuliert.
Etwas zur geschichtlichen Einordnung vorab
Es war die Zeit eines grundsätzlichen
Umbruches in Westeuropa. Das römische Reich war schon lange zerfallen
und auch das sich danach gebildete Fränkische Reich Karls des Großen war
bereits zerteilt. Man begann Mittelhochdeutsch zu sprechen und zu
schreiben und es bildete sich zum ersten Mal in der Geschichte eine
deutsche Identität heraus. Es war die Zeit des beginnenden
Hochmittelalters. Die Bevölkerung breitete sich schneller aus als zuvor
und neue Gebiete mussten somit erschlossen werden. Die Landwirtschaft,
das Handwerk und der Handel machten einen großen Fortschritt und die
Kirche entwickelte eine starke Position innerhalb des Reiches. Durch die
Kirchenreformen, auch ausgehend von dem Konzil in Rom 1059 erlangte der
Papst große Macht gegenüber dem König. Während
es im Frühmittelalter fast kein städtisches Leben mehr gab, setzte nun
eine Welle von städtischen Neugründungen ein. Es war aber auch die
Epoche der Kreuzzüge und eines völlig neu definierten Rittertums.
Die Geschichte unserer Familie von Lienen beginnt also in
der Zeit der frühen Gotik.

Das aus dem östlichen Teil des Frankenreiches hervorgegangene Reich als Herrschaftsbereich der deutschen Kaiser wurde
seit dem Jahr 1056 von Heinrich IV. regiert, allerdings im Alter von
zunächst sechs Jahren. Seine Königsherrschaft trat er erst 1069 wirklich
an. In der Zwischenzeit hatten verschiedene Stellvertreter diese Rolle
für ihn übernommen. Diese Übergangszeit ohne mächtigen Herrscher hatten
viele Fürsten und Bischöfe genutzt, um ihren Machtbereich zu vergrößern.
Sie beanspruchten Landbesitz und zum Teil königsähnliche Rechte. In den
nachfolgenden 200 Jahren wurde der Einfluss der Fürsten immer größer,
was schließlich in der goldenen Bulle durch Karl IV. seinen Höhepunkt
nahm. Im Jahr 1062 wurde die Vormundschaft des Heinrich IV. durch den
Erzbischof Adalbert übernommen, welcher sich das Land im Bereich
des westlichen Weserufers von der Mündung der Ochtum bis zum
Butjadingerland übertragen ließ. Somit gehörte dieses Land zum Erzbistum
Bremen. Das Erzbistum Bremen wurde etwa 100 Jahre davor als Erzbistum
Hamburg-Bremen von Papst Formosus 893 ausgerufen, nachdem der
Benediktinermönch Ansgar vor den Wikingern von Hamburg nach Bremen
geflohen war und dort zum Bischof bzw. Erzbischof erhoben wurde.

Um das Land nutzbar zu
machen, wurden nach holländischem Vorbild Deiche und Siele angelegt. Die
Kolonisten waren dem Erzbistum Bremen gegenüber
abgabepflichtig. Die damals gebauten Bauernhöfe hatten eine
Fachwerkbauweise mit Reetdach.
Die bäuerlichen Bewohner nannten sich Stedinger ("Uferbewohner"), worauf
der historische Name Stedingen für diese Region zurückgeht.
1072 wurde Erzbischof Adalbert von Erzbischof
Liemar abgelöst.

Der Ursprung der Familie
Die Familie von Lienen lässt
sich auf die
Reichsministerialität des Erzbistums Bremen als Zweig der Familie von Stelle
zurückführen, welche mit dem Schenkenamt urkundlich erstmalig seit 1186
eines der ministerialischen Haupthofämter im Erzbistum bekleidete. Die Familie v.
Stelle waren direkte Verwandte des aus der Königs- bzw. Reichsministerialität
stammenden Erzbischofs Liemar. Liemar brachte seinen Bruder Mazelin und
dessen Sohn Adalbero sowie zwei Söhne seiner väterlichen Tante nach
Bremen mit, von denen Siveko I. als Stammvater der v.Stelle genannt
wird; die Linie v.Stelle begann mit seinem Sohn Erpo v.Stelle (um
1110 herum). Siveko selbst wird in Quellen auch als Sybernus (Siegbert)
von Stelle genannt. Der zweite Sohn Willo war der Stammvater der
Familie v.Bruch.
Erzbischof Liemar hatte damals seine Verwandten
mit umfangreichen Rechten und großem Landbesitz ausgestattet. Er war ein
enger Vertrauter König Heinrich des IV. und zum Beispiel auch als
Vermittler für Heinrich IV. gegenüber Papst Gregor VII. im Jahr 1077
tätig ("Gang nach Canossa").

Das Geburtsjahr des ersten Namensträgers der Familie von Lienen war das
Jahr 1168. In diesem Jahr wurde
Albero I. von Lienen als Sohn des
erzbischöflichen Ministerialen Dietrich von Stelle (geb. 1144 in Bremen)
geboren.
Dietrich von Stelle war der
Sohn Erpos von Stelle, womit die Linie der Familie von Lienen bis zur
Verwandtschaft des Erzbischofs Liemar in das Jahr 1092 zurückverfolgt
werden kann.

Rund um die
Geburt Albero I. ranken sich eine Reihe von Erzählungen. Dietrich, der
Vater Alberos, soll eine Prüfung bestanden haben, die kaum ein anderer
Ministerialer wagte. Seitdem glaubte man, dass die Stelle‑Linie einen besonderen
Schutz im Moor besaß und dass dieser Schutz auf die Lienener überging.
In der Nacht der Geburt von Albero I. soll zuvor ein dichter Nebel
aufgestiegen sein. Als Albero geboren war, löste sich der Nebel
schlagartig auf. In der späteren Überlieferung wurde dies sinnbildlich
so gedeutet, dass „das Moor ihn angenommen habe, genau
wie seinen Vater“.
Die Frau von Albero I. von Lienen war Thetburich (Dietburg) von
Mackenstedt (geb. 1170), eine Ministerialin des Herzogs Heinrich (der
älteste Sohn Heinrich des Löwen). Sie stammte aus der Linie von
Oldenburg, womit eine
verwandtschaftliche Beziehung der hier beginnenden Linie von Lienen
sowohl zu den Bremer als auch zu den Oldenburger Grundherren
bestand.
Die Linie der Familie von Lienen ist nahezu
zeitgleich zum Beispiel mit der Linie von Bremen entstanden, welche
ebenfalls aus der Verwandtschaft Erzbischof Liemars hervorging. Die Ritter von Lienen gehörten zu den ersten wappentragenden
Ministerialen im Erzbistum Hamburg-Bremen.
Der Ursprung des Namens
Der Name unserer
Familie "von Lienen" geht grundlegend gesehen auf den Ort bzw. heutigen
Ortsteil Lienen an der Weser zurück. Historisch plausibel ist dabei
folgende Reihenfolge der Ereignisse.
1.) Zuerst existierte
der Fluss Line als ältestestes geographisches Element. Gewässernamen
sind oft älter als Namen mittelalterlicher Siedlungen, oft
vor-germanisch, manchmal sogar vor-indoeuropäisch.
2.) Dann folgte die
Burg Line an der
Linemündung als namensgebender Adelssitz. Die Burg Line erhielt somit
ihren Namen vom Fluss Line. Burg Line = Burg an der Line.
3.) Die
Familie nimmt ihren Namen
von der Burg, also indirekt vom Fluss. Das ist typisch für norddeutsche
Ministerialenfamilien.
4.) Der heutige Ortsteil Lienen (Elsfleth)
ist jünger als Burg und Familie. Er ist eine sekundäre
Siedlungsbenennung, die sich aus der Nähe zur Burg und zum Fluss ergeben
hat. Ob der Ort direkt nach dem Fluss oder indirekt nach der Burg
benannt wurde, ist sprachlich kaum trennbar, aber historisch ergibt
sich: Der Ort trägt seinen Namen wegen der Burg, die wiederum wegen des
Flusses so hieß.
Und möglicherweise liegt die Erklärung auch ganz einfach in dieser
Überlieferung:
Als später eine
kleine Siedlung in der Nähe der alten Burg entstand, sagten die
Bewohner laut Überlieferung, sie lebten „bei den Lienen“. Gemeint war, sie lebten sowohl
bei der Burg als auch beim Fluss. So wurde der Ort Lienen genannt, in
Erinnerung an Burg und Fluss gleichermaßen.
Die Liene war im Mittelalter ein Nebenfluss der Weser. Seit der großen
Flut etwa Mitte des 14. Jahrhunderts war der ursprüngliche Verlauf der
Liene nicht mehr vorhanden. Zur Zeit des damaligen Weserdeltas war die
Liene mit der Jade verbunden.
Man sagt, die Liene
sei nie ein gewöhnlicher Fluss gewesen. Sie soll sich leise und
unberechenbar durch die Marsch geschlängelt haben, manchmal ihren Lauf
verändernd, als folge sie einem eigenen Willen. Alte Karten zeigen sie
mal breiter, mal schmaler, mal weiter östlich, mal westlicher. Die Leute
meinten, sie „wandere“.
Lesen und Schreiben war
damals eine seltene Kunst und Namen wurden oft nur mündlich weiter gegeben, was unter
anderem ein Grund dafür war, dass Klang und Schreibweise vieler Burgen,
Orte und Namen im Laufe der
Zeit eine zum Teil deutliche Wandlung durchgemacht haben. Vor diesem
Hintergrund kann man sagen, dass der Name "von Lienen" heute noch sehr
nahe am ursprünglichen Namen des Ortes Lienen liegt.
Fluss: Line >> Liene
Burg: Burg
Line >> Burg Linen >> Burg Lienen Name: de Line (lat. Form auf Siegeln / Urkunden) >> von Linen >> von Lienen
Ort:
Line >> Linen >> Lienen
Historisch: Fluss Line >> Burg Line
>>
Albero I. de Line (lat.) >> Beginn der Familie
Heute: Fluss
Liene >> Burg Lienen >> Familie von Lienen >> Ort Lienen
Der historische Verlauf der Liene lässt sich teilweise und
zumindest näherungsweise dem heutigen Elsflether Sieltief bzw. dem
Käseburger Sieltief zuordnen. Das Käseburger Sieltief verläuft heute
noch durch die Ortschaft Großenmeer (ehemals: Meerkirchen), welche ihren
Ortsnamen von dem sogenannten "Großen Meer" bekommen hat, zu dem sich
die damalige Liene zeitweise verbreitert hatte. Die Mündung des heutigen
Elsflether Sieltiefs in die Weser verläuft über den Liener Kanal,
wodurch auch eine Verknüpfung zum historischen Namen des Flusses Liene
gegeben ist.
Die folgende
Karte zeigt den damaligen Verlauf der Liene sowie die Lage der
ehemaligen erzbischöflich-bremischen Burg Lienen nördlich vom heutigen Elsflether
Sieltief, welches südlich der heutigen Landstraße namens "Alte Liene"
verläuft. Diese
Landstraße mündet fast direkt in die heutige Watkenstraße
in Elsfleth-Lienen, in deren Nähe die historische Burg Lienen vor der
Zerstörung durch aufständische Stedinger gestanden hat.

Die heutige Landstraße „Alte Liene“
verläuft nahe am alten Flussbett der Liene. Manche Bauern schworen der
Legende nach, dass
ihre Pferde dort manchmal scheuten, obwohl nichts zu sehen war. Ein
alter Elsflether sagte einmal: „Unter der Straße schläft der alte Fluss.
Und manchmal dreht er sich im Traum“.
Die
Verbindung zwischen den beiden Sieltiefen ist entsprechend der damaligen
Lage der Liene nicht mehr vorhanden. Der Verlauf der Weser ist heute
aufgrund der Eindeichung schmaler als damals. Die dargestellten
Flussverläufe entsprechen grundsätzlich gesehen einer Übersichtskarte der alten Deiche aus dem
Oldenburger Jahrbuch für Altertumskunde, im Detail war allerdings zum
Beispiel der Verlauf der Weser nicht so geradlinig wie hier dargestellt.
Die ehemalige Kirche
von Lienebrok ist ebenfalls eingetragen.
Zwischenzeitlich gab es auch Landkarten, in denen der Ort in der
Schreibweise "Lihn" zu finden ist.

Zwischen Liene und Weser soll ein
uralter Weg gelegen haben, der nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar
wurde. Er bestand aus Holzbohlen, die schon damals niemand mehr zuordnen
konnte. Manche glaubten, er sei älter als die ersten Siedlungen.
Die Burg Lienen
Aus der Zeit des Hoch- und Spätmittelalters stammen die meisten
der heute noch erhaltenen Burgen und Burgruinen. Von der Burg
Lienen ist heute nichts mehr erhalten. Verschiedene Quellen berichten von einem vermeintlich noch vorhandenen
Burgstall, was jedoch auf einer unterschiedlichen Verwendung des
Begriffs „Burgstall“ in verschiedenen Epochen beruht. Geht man auf den mittelhochdeutschen Sprachgebrauch
zurück, so steht das Wort burgstal für die Stelle einer Burg
und somit für die Burg selbst. Im Ausklang des Mittelalters wurde die
Bezeichnung zum Teil für eine im Verfall befindliche Burg verwendet.
So kam es, dass im frühen 20.
Jahrhundert immer wieder Leute durch die Marsch streiften: Bauern
zeigten auf alte Warften und meinten, dort müsse der „Burgstall“ sein.
Lehrer schickten ihre Schüler los, um „Steine der alten Burg“ zu finden.
Ein Pastor soll behauptet haben, er habe „Reste eines Turmhügels“
gesehen. Von der mittelalterlichen Holz-Erde-Burg haben sich keine
sichtbaren Reste erhalten. Aber der Glaube an den „Burgstall“ hielt sich hartnäckig.
Eine weitere Bedeutung war die Bezeichnung einer kleineren Burg des
niederen Adels im Unterschied zur "Hofburg". Eine ähnliche
Unterscheidung wird mit den Begriffen Dynastenburgen und Lehensburgen
vorgenommen. Die Lehensburgen baute der niedere Adel auf dem ihm
zugehörigen Land. Sie bestanden oft nur aus einem befestigten Ritterhaus
mit Wohnturm und einem Burghof während die großen Dynastenburgen neben
der Burg selbst noch weitere Nebengebäude aufweisen.

Bei der Burg Lienen kann man von einer relativ kleinen Burg ausgehen,
wobei das zugehörige Land aufgrund der verwandtschaftlichen Beziehungen
zum Erzbistum im Besitz der "von Lienen" war. Quellen berichten von
einem "erheblichen Land- und Zehntenbesitz", was sich im Laufe der Geschichte in
zahlreichen urkundlich belegten Landverkäufen widerspiegelt.
Die ehemaligen Ländereien erstreckten sich vom heutigen Lienen nach
Norden bis hin zum heutigen Oberhammelwarden sowie nach Westen bis zum
heutigen Oldenbrok.
Es wurde
gemunkelt, auf der Burg habe ein
Brunnen gestanden, der bis in einen alten, unterirdischen
Wasserlauf reichte. Manche nannten ihn die „dunkle Liene“.
Der
Burgenbau gehörte zu den wichtigsten Mitteln der Machtausübung im
Mittelalter. Das Königsrecht zum Burgenbau ging im Heiligen Römischen
Reich oft als Reichslehen auf die
territorialen Machthaber über. Diese bauten sich Residenzburgen und
zahlreiche kleinere Burgen, welche sie von angestellten Burgmännern
erbauen ließen. Die Ministerialburgen waren in der Regel durch
eigenständige Belehnung der Ministerialen mit der jeweiligen
Grundherrschaft verbunden. Dabei dienten die Burgen nicht nur zu
militärischen Zwecken, sondern hatten auch eine Verwaltungsfunktion.
Hochmittelalterliche Burgen waren nicht grundsätzlich aus Stein
gebaut, sondern oft aus Holz und Lehm. Meist waren es stroh- oder
schindelgedeckte Fachwerkbauten, welche von hölzernen Palisaden umgeben
waren. Die Fläche dieser Burgen war relativ klein und daher war eine
Selbstversorgung der Burgbewohner nur bedingt möglich. Der Herrensitz
und der Wirtschaftshof bildeten eine Einheit. Die Burgen bedeutender
Ministerialadelsfamilien waren reich ausgestattet. Ausgehend von den
Burgen erfolgte eine Kontrolle des direkten Umlandes, zum Beispiel über
Verkehrswege oder Märkte. Durch die Burgherren erfolgte auch die
Eintreibung des sogenannten "Zehnten" von den Bauern des Umlandes.
Bewohner der Burgen waren Niederadlige, meist Ministerialen.
Die genaue Lage der ehemaligen
Burg Lienen zeigt folgendes Bild. Die Lage wurde aus Skizzen ermittelt,
die im Niedersächsischen Landesarchiv Oldenburg zu finden sind.

Der Burgplatz war von einem etwa 5-7m breiten Burggraben umgeben,
der bei Abrissarbeiten eines späteren Hauses im 19. Jahrhundert wieder
entdeckt wurde. Der Zufluss zu dem Burggraben kam aus der Weser und war
etwa 8-10m breit. Der Burgplatz selbst lag etwa 2-3m über dem
Wasserspiegel. Ab etwa 1850 wurde diese Erhöhung schrittweise
abgetragen. Durch das damalige Abtragen der kompletten Wurt
inclusive der Brandschicht liegt die Wahrscheinlichkeit auf heutige
archäologische Spuren quasi bei Null. Gezielte Grabungen in den 30er
Jahren des 20.Jahrhunderts brachten kein Ergebnis, was diese These
untermauert.
Wie die Burg Lienen wahrscheinlich aussah
Burgtyp: eine kleine, befestigte Ministerialenburg. Die
Burg Lienen war keine große Dynastenburg, sondern eine typische
Lehensburg des niederen Adels. Das bedeutet: kleine Anlage, kompakt, ein
Wohnturm oder befestigtes Ritterhaus ein ummauerter Hof, wenige
Nebengebäude, Holz-Erde-Bauweise mit einzelnen steinernen Elementen.
Genau solche Burgen wurden im 12. Jahrhundert in der Marsch häufig
errichtet. Lage: da die Burg an der Mündung der Liene
in die Weser lag, stand sie auf einer Warft (einem künstlich
aufgeschütteten Hügel). Die Wesermarsch war hochwassergefährdet; Burgen
mussten trocken und verteidigungsfähig stehen, Warften waren
Standardbauweise für Herrensitze in der Marsch. Baumaterial:
Holz, Lehm, Feldsteine, wenig Backstein. Im 12. Jahrhundert war
Backstein in Nordwestdeutschland noch selten. Daher: Palissaden aus
Eichenholz, Erdwälle, ein Wohnturm aus Holz oder Fachwerk, Fundamente
aus Feldsteinen. Steinerne
Wohntürme waren in der Marsch untypisch und teuer, eher etwas für
Dynastenburgen. Aufbau der Anlage: a)
Der Wohnturm und das befestigte Ritterhaus:
2–3 Stockwerke Wohnraum, Lager, kleiner Saal, Wehrplattform oben aus
Holz oder Fachwerk, evtl. mit steinernem Sockel. b)
Der Burghof: Stall, Speicher, kleine
Schmiede oder Werkstatt, Brunnen oder Zisterne. c)
Befestigung: Holz-Erde-Wall,
Palissadenzaun, Wassergraben, gespeist durch die Weser, ein einziges
Tor, vielleicht mit kleinem Torhaus. d)
Anbindung: eine kleine Anlegestelle, ein Bootssteg,
Zugang zum Wassergraben. e)
Bedeutung und Größe des Besitzes: regional bedeutende, aber
baulich kleine Burg. Die Ländereien: reichten von Lienen bis
Oberhammelwarden und bis Oldenbrok, umfassten Ackerland, Wiesen,
Marschweiden und Zehntrechte. Das zeigt: Die Familie war wirtschaftlich
stark, aber nicht hochadelig, genau der typische Status einer
Ministerialenfamilie des Erzstifts Bremen. f)
Warum nichts erhalten blieb: Kein Wiederaufbau nach Großbrand,
Holz-Erde-Bauweise verrottet vollständig, Sturmfluten des 14.
Jahrhunderts, Gelände mehrfach überformt, spätere landwirtschaftliche
Nutzung, Warft eingeebnet,
Gräben verfüllt. Das erklärt, warum heute keine sichtbaren Reste
existieren.
So sah die Burg Lienen
sehr wahrscheinlich aus: Eine kleine, aber strategisch
wichtige Ministerialenburg, bestehend aus einem befestigten Gebäude mit
Wohnturm (Holz/Fachwerk), einem umzäunten Burghof, Erdwall +
Palisade + Wassergraben auf einer Warft an der Lienemündung. Sie war Sitz der Familie, nicht
Repräsentationsbau, funktional, kompakt, wehrhaft.
Das folgende Bild zeigt eine mögliche
künstlerische Rekonstruktion als historische Annäherung, sowie daran
anschließend ein Schnittbild.


Der Ritterhof auf der Weserinsel
Der Ritterhof auf dem Rader Sand entwickelte sich ab ca. dem Jahre 1200
zu einer für die Region bedeutenden Niederlassung der von Lienen. Die
Anlage dürfte den Charakter einer
kombinierten Motte‑ und Turmburg gehabt haben, deren steinerner Wohnturm nicht nur
als Wohnsitz, sondern auch als sichtbares Zeichen ritterlicher und
erzbischöflicher Autorität diente. Umgeben war der Hof wahrscheinlich
von Palisaden, Gräben und weiteren Holz‑Erde‑Befestigungen, die durch
die unmittelbare Nähe zur Weser zusätzlich geschützt wurden. Neben dem
Turm existierten Wirtschaftsgebäude, Stallungen, Speicher und
Unterkünfte für das Gefolge, sodass der Hof als dauerhaft bewohnte und
bewirtschaftete Einheit funktionierte.
Die genaue Lage der
archäologisch nachgewiesenen Wurt zeigt folgendes Bild. Der Mottenhügel
besitzt einen Durchmesser von ca. 30 m und erhebt sich heute ca. 1,50 m über
die Umgebung. Er ist von einem Graben umgeben.

Für das Erzstift Bremen
erfüllte der Rader Sand eine wichtige strategische Rolle. Die von Lienen
agierten als erzbischöfliche Ministerialen und nutzten den Hof als
Stützpunkt zur Kontrolle des Schiffsverkehrs auf der Unterweser. Die
Lage auf einer stabilen Flussinsel erlaubte die Überwachung von
Handelswegen, die Erhebung von Abgaben und die Absicherung von
Fährstellen. Zugleich diente der Hof als militärischer Außenposten, von
dem aus der Erzbischof seine Herrschaftsansprüche im Weserraum
durchsetzen konnte. Die wirtschaftliche Nutzung der fruchtbaren Flächen
der Insel, insbesondere Viehzucht und Heugewinnung, ergänzte die
Einnahmen aus Zöllen und Durchfahrtsrechten.
Der Verlauf der
Weser war zur damaligen Zeit ein komplett anderer als heutzutage. Der
Rader Sand war eine Weserinsel und der Hauptstrom der Weser führte
vermutlich sogar östlich am Rader Sand vorbei. Das folgende Bild zeigt
eine künstlerische Rekonstruktion der Landschaft zu der Zeit um 1200.
Das interessante an diesem Jahr war, dass der Ritterhof auf dem Rader
Sand bereits errichtet war und die Burg Lienen noch stand.

Otto I. von Stelle
benutzte um 1200 herum die Bezeichnung "Levemunt". Ein Ort dieses Namens
ist nicht bekannt, sein Sitz kann aber mit dem Ritterhof auf der
ehemaligen Weserinsel "Rader Sand" identifiziert werden. Das
mittelhochdeutsche Wort Levemunt bedeutete ursprünglich „unter jemandes
Schutz stehende Wertschätzung“, was sich später zu „guter Ruf“
verfestigte. Historisch gesehen wäre es somit plausibel, wenn in dieser
Zeit die Familie von Stelle auf dem Rader Sand ansässig war oder
zumindest bei der Errichtung des Ritterhofes eine Rolle spielte. Nach der
Zerstörung der Burg Lienen führte die weitere Linie der von Lienen,
beginnend mit Albero dem Jüngeren, den Ritterhof im Besitz der von
Lienen bis zum Ausklang des 14. Jahrhunderts weiter.
Der Alltag auf dem
Ritterhof war geprägt von einer ständigen, wenn auch wechselnden
Besatzung aus Knechten, Mägden, Handwerkern und Wachleuten. Während der
Wohnturm Schutz bot und repräsentative Funktionen erfüllte, spielte sich
das tägliche Leben in den umliegenden Wirtschaftsgebäuden ab. Die Anlage
wurde über mehrere Generationen hinweg ausgebaut und erreichte ihre
größte Bedeutung vermutlich zwischen 1250 und 1350, als die Ritter von Lienen
fest im regionalen Adel etabliert waren. Der Hof
erscheint in Urkunden als "curia in Rader Sand".
Das folgende Bild zeigt
eine mögliche künstlerische Rekonstruktion als historische Annäherung.

Spätestens
nach der großen Flutkatastrophe von 1362 wurde der Hof schrittweise
aufgegeben. Durch die Verlagerung der Weser wurde die Insel
zunehmend überschwemmungsgefährdet. Mit dem Erwerb eines Burgmannshofes
in Oldenburg im Jahr 1370 beginnt zugleich der Niedergang des Hofes auf
dem Rader Sand.
Der Adelssitz der Familie von Lienen an der Weser wurde mit Ausgang des 14.Jahrhunderts,
also nach rund 200 Jahren,
verkauft. Eine Urkunde aus dem Jahr 1396 beschreibt den Verkauf des
Ritterhofes mit befestigtem Wohnturm der Familie an das Kloster Rastede.
Die Sage erzählt, dass der
Turm manchmal näher am Wasser, manchmal weiter im Land stand, je
nachdem, wie die Strömung die Insel formte. Als der Ritterhof 1396 an
das Kloster Rastede verkauft wurde, soll der Abt gefragt haben: „Wo
genau liegt der Hof?“ und die Knechte antworteten: „Dort, wo das Land
heute ist und morgen vielleicht nicht mehr“.
Nach dem Erwerb des Ritterhofes durch das Kloster Rastede war die Anlage
bereits aufgegeben, aber noch baulich vorhanden. Das Kloster hatte in
dieser Zeit regen Baubedarf: Erweiterungen, Wirtschaftsgebäude,
Deicharbeiten und Warftbefestigungen. In der Wesermarsch war Bauholz und
Feldstein kostbar. Wenn ein Hof aufgegeben wurde, war es üblich, Balken,
Pfosten und Bohlen wiederzuverwenden, Feldsteine und Lehmziegel als
Fundamentmaterial zu bergen, Eisenbeschläge und Dachmaterialien zu
verwenden oder verwendbar zu machen (heute würde man recyclen sagen).
Das Kloster Rastede war bekannt dafür, solche Ressourcen systematisch zu
sichern. Vergleichbare Vorgänge sind aus der Region belegt: Das Kloster
Hude nutzte nach dem Erwerb von Höfen deren Holz und Steine für eigene
Bauvorhaben. Auch das Kloster Osterholz dokumentierte den Abtransport
von Baumaterial aus aufgegebenen Marschhöfen. Der Ritterhof lag an der
Weser, also transporttechnisch ideal, Holz und Steine konnten per Schiff
oder Floß bis in die Nähe von Rastede gebracht werden. Das spricht stark für eine
gezielte Materialverwertung. Es spricht vieles dafür, dass das
Kloster Rastede nach dem Kauf des Ritterhofes die verwertbaren Baustoffe
(Holz, Feldsteine, Eisen) geborgen hat, die Warft selbst später
landwirtschaftlich nutzte, und den Standort als wirtschaftlichen
Außenposten oder Pachtgut weitergeführt hat. Folgendes Bild zeigt die
künstlerische Rekonstruktion des Abbaus.

Seit der Zeit der ersten Generation
auf dem Rader Sand soll laut einer Legende im Turm ein stiller Schutzgeist gewacht haben.
Kein Gespenst, kein Dämon, eher der Geist der Wache, geboren aus all den
Nächten, in denen Knechte und Ritter auf dem Turm standen, die Weser
beobachteten und den Hof verteidigten. Man nannte ihn später nur "den
Stillen". Als die von Lienen den Hof verlassen mussten, so erzählt die
Sage, hätten die Knechte den Turm zuletzt abgeschlossen. Einer von ihnen
soll die Hand auf die Tür gelegt und gesagt haben: „Bleib stehen, bis
wir wiederkommen“. Der Wind trug die Worte über die Marsch, und der
Stille im Turm hörte sie. Als nach dem Verkauf die Männer des Klosters
Rastede kamen, um den Hof abzutragen, geschah etwas Merkwürdiges. Die
Bohlen der Wirtschaftsgebäude ließen sich leicht lösen. Die Palisaden
gaben nach wie morsches Holz. Die Steine der Warft rutschten fast von
selbst in die Schubkarren. Doch der Turm rührte sich nicht. Die
Klosterknechte schlugen Keile in die Fugen, setzten Winden an, banden
Seile um die Balken. Nichts. Der Turm stand, als wäre er mit der Erde
verwachsen. Einer der Männer soll geflucht haben: „Der Teufel selbst
hält das Ding fest“. Doch die Alten im Dorf sagten: „Nicht der Teufel.
Der Stille“. Erst als ein schwerer Herbststurm über die Weser zog, brach
der Turm. Nicht durch Menschenhand, sondern durch Wind und Wasser. Die
Klosterknechte fanden am Morgen nur noch Balken und Steine, die sich nun
lösen ließen wie jedes andere Holz. Man sagte später: „Der Turm fiel
nicht, weil Menschen es wollten. Er fiel, weil der Stille wusste, dass
niemand mehr zurückkehrt“.
Der Burgmannsitz in Oldenburg Der im Jahr 1370
in Oldenburg erworbene Burgmannshof der von Lienen
war kein klassischer Wehrbau mehr, sondern ein
repräsentativer steinerner Adelshof, charakteristisch für den Übergang vom
Rittertum zum städtisch geprägten Landadel. Diese Höfe dienten den
Burgmannen, also den Rittern, die dem Grafen von Oldenburg militärisch
verpflichtet waren, als Wohn‑ und Dienstsitze. Die Anlage war nicht mehr
wehrhaft im militärischen Sinn, sondern symbolisch befestigt, was eher
Status als Verteidigung ausdrückte. Der Burgmannssitz der von Lienen in
Oldenburg war somit ein repräsentativer Adelshof innerhalb der Stadt,
der die enge Bindung der Familie an die Oldenburger Grafen
widerspiegelt.
Backsteinbauweise war in Nordwestdeutschland
inzwischen weit verbreitet. Gotische Fensterformen, Spitzbögen und
Zierfriese zeigten den Einfluss der städtischen Baukunst. Innenräume
waren mit Balkendecken, Kaminen und Wandmalereien ausgestattet, deutlich
komfortabler als die früheren Burgen. Das Wappen der von Lienen dürfte
über dem Torbogen oder an einem Fenstersims angebracht gewesen sein.
Das folgende Bild zeigt eine mögliche künstlerische Rekonstruktion als
historische Annäherung. Der Hof lag in der Mühlenstraße
an der Haaren in Oldenburg und wurde als Eigenbesitz der Familie
geführt. Mit dem Verkauf des Hofes 1591 endet die nachweisbare Präsenz
dieser Linie der Familie in Oldenburg. Der Hof gehört zu den heute verschwundenen Adelssitzen der Stadt.

Die Ritter von Lienen
Seit dem 11. Jahrhundert verstand man unter dem Begriff Ministerialen
ritterlich lebende Dienstleute mit eigener oder delegierter Herrschaft
sowie politischem Einfluss. Ihre kampferprobtesten Mitglieder bildeten
mit Angehörigen des Hochadels die Ritterschaft. Mit dem zunehmenden
Bedarf an Hof-, Verwaltungs- und Kriegsdiensten wurde aus den
Ministerialen ein neuer Stand. Seit König Konrad II. (1024-1039) wurden
sie als Vögte oder Burggrafen und Landrichter zur Verwaltung des
Reichsguts eingesetzt. Die Reichsministerialen nahmen eine gesonderte
Stellung ein. Sie unterstanden direkt dem König bzw. Kaiser des Heiligen
Römischen Reichs, nahmen weitreichende, gehobene Verwaltungsaufgaben
wahr und leisteten Kriegsdienst als schwere Panzerreiter.
Reichsministerialen verfügten somit über Bildung zur Bewältigung von
Verwaltungsaufgaben, über Kenntnisse höfischen Lebens und Erfahrung im
Kampf. Im 12. Jahrhundert setzte ein Angleichungsprozess an den Stand
der Edelfreien ein. Die Reste der Unfreiheit verschwanden. Die
Dienstlehen wurden zu erblichen Lehen. Die Ministerialen bezeichneten
sich nun mit dem Titel "milites" (Ritter).

Ab dem 12. Jahrhundert war die Ritterbürtigkeit die Voraussetzung für
eine Aufnahme in den Ritterstand.
Kaiser Barbarossa hatte Ende des 12. Jahrhunderts
sogar das Verbot ausgesprochen, Söhne von Bauern oder Priestern in den
Ritterstand zu erheben.
In einem feierlichen Akt, dem sogenannten Ritterschlag, wurde man
zum Ritter erhoben. Im Hochmittelalter (etwa 1000 bis 1250) galten die
Ministerialen als die eigentlichen Schöpfer und Träger der
ritterlich-höfischen Kultur.

Seit dem 13. Jahrhundert waren die Ministerialen im niederen Adel
aufgegangen und bildeten den Kern des Ritterstandes. Sie bildeten einen
erblichen Stand des sogenannten niederen oder ritterbürtigen Adels. Die
Geburt von ritterlichen Ahnen war also Voraussetzung für die Aufnahme in
den Ritterstand. Die "milites" stiegen zu den "nobiles" auf.
Fast alle bekannten Angehörigen der Familie von Lienen
zwischen 1190 und 1420 erscheinen in den Quellen als Ministeriale der
Bremer Erzbischöfe und zunehmend seit dem 14. Jahrhundert auch im
Dienste der Grafen von Oldenburg.
Eine Sage erzählt, der Eid, den die Ritter von
Lienen leisten mussten, band sie nicht nur an den Erzbischof,
sondern auch an "die unsichtbaren Wächter", die seit Erpo und Dietrich von
Stelle über die Familie wachten. Der Eid lautete angeblich: „Ich diene,
solange das Wasser fließt und der Nebel wacht“. Doch niemand weiß, ob
dies wirklich die Worte waren, denn der Eid, so hieß es, durfte niemals
laut gesprochen werden.

Im Erzbistum Bremen wurden in einer Urkunde
Erzbischof Liemars erstmals im Jahr 1091 Ritter erwähnt.
In späteren Überlieferungen wird eine Verbindung einzelner Ritter von
Lienen zum Deutschen Orden erwähnt, der um 1200 gegründet wurde;
urkundliche Belege dafür sind jedoch nicht bekannt.
Ein Mönch aus Bremen
schrieb vermutlich im 13. Jahrhundert: „Die Lienener tragen zwei Schwerter: eines
für den Erzbischof, eines für den Orden, der sie rief“.

Zwischen ca. 1220 und ca.
1420 sind urkundlich benannt:
Ritter Albero I. von Lienen
(*genannt 1168) Ritter Albero II. von Lienen (*1190, urkdl. 1222) Ritter Hermann von Lienen (urkdl. 1247) Ritter Reimbert von Lienen (urkdl. 1244, 1249, 1256)
Ritter
Friedrich von Lienen (*1218, urkdl. 1277) Ritter Berthold von Lienen (urkdl. 1289) Ritter Heinrich (Henricus) von Lienen (urkdl. 1289) Ritter
Erich (Alberich) von Lienen (urkdl. 1290) Ritter Erpo von Lienen (urkdl. 1294) Ritter Erich (Alberich) von Lienen (*1282, urkdl. 1304) Ritter Friedrich
von Lienen (urkdl. 1337, 1344) Ritter Otto I. von Lienen (urkdl. 1350, 1369)
Ritter Otto II. von Lienen (urkdl. 1418)

In einer alten Schmiede in der Nähe
des heutigen Berne soll laut einer alten Geschichte ein geheimnisvoller Schmied gearbeitet haben,
der nur nachts erschien. Die Ritter von Lienen ließen dort ihre besten
Waffen fertigen. Niemand wusste, wer der Schmied war, doch sein Hammer
klang wie ein Donner in der Nacht. Als die Ritterlinie im 15.
Jahrhundert erlosch, verschwanden die Schwerter. Doch noch lange Zeit berichteten Bauern, dass sie im
Morgengrauen ein bläuliches Leuchten über den alten Wurten sahen. Manche
glaubten, die Schwerter liegen dort verborgen und warten auf jemanden,
der würdig ist, sie zu führen.

Seit dem Spätmittelalter prägte das
Rittertum nicht nur den eigentlichen Ritterstand, sondern auch die
Lebensweise des gesamten christlich-europäischen Adels. Ein wichtiger
Begriff in diesem Zusammenhang ist bis heute die Ritterlichkeit. Die ritterlichen Tugenden bestanden aus
Normen, die das Ansehen des Rittertums und damit des Adels erhalten und
begründen.
Die Wertvorstellungen der Ritterlichkeit umfassten im Hochmittelalter
(mittelhochdeutsch): diemüete, êre, güete, hôher
muot, höveschkeit, manheit, mâze, milte, minne, staete, triuwe, werdekeit, zuht.
Nach heutigem Sprachgebrauch bedeuten diese Tugenden: Demut, ritterliches Ansehen,
Würde, Freundlichkeit, seelische Hochstimmung, Höfischkeit, Höflichkeit,
Tapferkeit, maßvolles Leben, Zurückhaltung, Freigiebigkeit, Großzügigkeit,
Dienstbare, hingebungsvolle Liebe, Beständigkeit, Festigkeit, Treue, Würde,
Erziehung nach festen Regeln, Anstand, Wohlerzogenheit.
Höhere Bildung war im Mittelalter überwiegend freien Männern
vorbehalten. Als frei galt im Mittelalter, wer nicht in persönlicher
Abhängigkeit stand.
Die gelehrten
sogenannten sieben freien Künste des Mittelalters zeigt das folgende Bild.
Der untere Kurs umfasste das sogenannte
Trivium
mit Grammatik, Rhetorik und Dialektik. Dieses wurde in den danach
benannten Trivial- oder Elementarschulen gelehrt. Der obere Kurs bildete
das
Quadrivium
mit Arithmetik, Musik, Geometrie und Astronomie, was nur in höheren
Lehranstalten vorgetragen wurde.

Der Adel erhielt eine andere Form der Ausbildung als der Klerus,
stärker praxis‑ und standesbezogen. Die Bildung und Erziehung unterlagen keinem festen Lehrplan,
sondern beinhalteten die Übung von überlieferten Gewohnheiten. Dazu
gehörten zum Beispiel das Jagen, Fechten, Reiten, Schwimmen und
Bogenschießen, aber auch die Kenntnis von Liedern und das Lernen von
Spruchweisheiten.
In der Wesermarsch erzählte man sich,
dass es eine achte Kunst gab. Eine Kunst, die nicht in Büchern stand.
Eine Kunst, die nur wenigen offenbart wurde und unter ihnen besonders
den Rittern von Lienen. Die achte Kunst war nicht Wissen. Sie war
Wahrnehmung. Die Fähigkeit, das zu erkennen, was nicht geschrieben
steht. Das zu hören, was nicht gesagt wird. Das zu sehen, was nicht
gezeigt wird. Ein Chronist schrieb: „Die
Lienener sprechen wenig. Doch ihr Schweigen ist gelehrter als mancher
Predigt“.
Bezüglich Minnegesang ist seitens der Ritter von Lienen nichts
überliefert.

Die "von Lienen" treten nicht nur im Zusammenhang mit dem Erzbistum
Bremen auf, sondern auch sehr oft als Zeugen von Geschäften, die den
Machtbereich der Grafen von Oldenburg betreffen.
Und auch auf
weitere Weise gab es Verknüpfungen nach Oldenburg. So hatten
beispielsweise die Ritter Berthold von Lienen und Erpo von Lienen
jeweils eine Oldenburger Ministerialin zur Frau.
Trotz des gehobenen Standes zeigte sich im 13. und 14. Jahrhundert
aber
in solchen Fällen die Abhängigkeit von dem jeweiligen Landesherren in
deutlicher Weise. Bei einer Ehe aus verschiedenen Dienstmannschaften
gehörten die Kinder jeweils zur Dienstmannschaft der Mutter und konnten
in Einzelfällen von dem jeweiligen Landesherren gegen ein Kind aus der jeweils anderen
Dienstmannschaft getauscht werden.
Als Graf Christian von Oldenburg und
Erzbischof Giselbert von Bremen im Jahr 1288 einen Streit beilegen
wollten, verlangten sie ein Zeichen des Friedens. Nicht Gold, nicht
Land, sondern ein Kind. So wurde Friedrich, der Sohn des Ritters
Berthold von Lienen, an den Erzbischof gegeben. Im Gegenzug erhielt
Oldenburg Reinfried, den Sohn des Ritters Otto Slore, der mit einer
Bremer Ministerialin verheiratet war.
Acht Jahre später geschah es erneut.
Diesmal traf es Friedrich, den Sohn des Ritters Erpo von Lienen. Er
wurde an Bremen gegeben, und Oldenburg erhielt Hildeburg, die Tochter
des Ritters von Zwischenahn, der ebenfalls eine Bremer Ministerialin
geheiratet hatte.

Das Wappen der Familie von
Lienen Mit dem Aufkommen des hochmittelalterlichen
Rittertums entwickelte sich auch die Heraldik. Der Ritter trug als
Erkennungszeichen sein Wappen auf dem Schild. Später wurde das Wappen
zum Familienkennzeichen und diente auch zur Besitzmarkierung.
Die Farbgebungen der Familienwappen
der Familien von Stelle / von Lienen sind in den überlieferten Quellen
gut belegt.
In
Anlehnung an die Tingierungen Rot und Silber des Bremer Erzstiftes
entwickelte sich
aus dem Wappen der v.Stelle (roter Schrägrechtsbalken) für den Zweig der
v.Lienen durch Kippung des Balkens ein roter Pfahl, jeweils auf Silber.
Nach heraldischen Regeln sind die Farben weiß und silber dabei
gleichwertig zu sehen.
Als Albero I. von Lienen den neuen Zweig
der Familie begründete, soll er in einer stürmischen Nacht allein in der
Burg Lienen gewacht haben. An der Wand hing das alte Wappen der
von Stelle. Albero betrachtete es lange und spürte, dass es nicht mehr
zu seinem Weg passte. Er war nicht nur ein Sohn der Stelle‑Linie. Er war
der Begründer eines neuen Hauses. Plötzlich, so erzählt man, schlug ein
Blitz in der Nähe der Burg ein. Der Schlag ließ das Wappen von der Wand
fallen und Albero sah, dass der rote Balken nicht mehr schräg, sondern
senkrecht stand. Albero erklärte darauf, dass das neue Wappen der
Lienener ein roter Pfahl auf Silber sein solle. Die Leute fragten, warum
der Balken gekippt worden sei und Albero antwortete: „Der Balken wies
den Weg. Der Pfahl hält das Land.*)“. Und so wurde der rote Pfahl zum
Zeichen der neuen Linie, ein Symbol für Standhaftigkeit, für die
Verbindung zwischen Himmel und Erde, und für die Treue zum Erzstift
Bremen.
*) Anmerkung: In der heraldischen Literatur
wird der schrägrechte Balken gelegentlich als „Wegzeichen“ gedeutet.
Laut Albero I. war dieser Weg nun mit Begründung der Burg Lienen
vollendet, womit der schräge Balken zum senkrechten Pfahl verändert
wurde.


Urkunden und Siegel Bei den Familien von Stelle und von Lienen gibt es in den Quellen seit 1222 die Vornamen Albero und
Friedrich (Friedericus). Diese Namen wurden über mehrere Generationen
weiter gegeben. Mitglieder beider Familien kommen seit 1222 oft
gemeinsam in Urkunden vor. In den Urkunden wurde der Familienname später
von Linen, von Line oder auch als
von Lyne aufgeführt. In frühen
Urkunden sowie auf Siegeln und Familienwappen wird der Name in der
lateinischen Form als de Line
genannt. Seit etwa dem 19. Jahrhundert ist die Nennung des
Familiennamens durchgehend von Lienen.
Die Vorsilbe "von" bzw. die in Urkunden übliche mittelalterliche
lateinische Übersetzung "de" wurde damals zunächst aus rein praktischen Gründen zur
Beschreibung der Herkunft verwendet. Erst im Laufe der Zeit wurde daraus
der Charakter eines Familiennamens.
In Siegeln und Urkunden wurde das Wappen in der Form
verwendet, dass es mit dem Namen des Besitzers umschrieben wurde. Oben
in der Mitte begannen die Siegel mit einem Kreuz. Danach folgte ein S
als Abkürzung für das lateinische Wort Sigilum (Siegel). Im Anschluss
daran folgte der Name des Besitzers in der lateinischen Genitiv-Form.
Diese Form des Wappensiegels war für Ministerialen charakteristisch. Die ersten
urkundlichen Zeugnisse für die Verwendung von Wappensiegeln durch
Ministerialen im Erzstift Bremen stammen aus der ersten Hälfte des
13.Jahrhunderts.
Die Siegel des Ritters Albero II. von Lienen (1220) und des letzten bekannten Ritters Otto
II. von Lienen (1420) sowie des Ritters Berthold von Lienen aus
der Zeit um 1300 zeigen den gotischen Schild mit dem mittig
platzierten Pfahl des Familienwappens.

Beispielhaft zeigt das folgende Bild, wie ein solches Siegel an den
damaligen Urkunden ausgesehen hat.
Eingemauert in einer späteren Feldsteinmauer nahe der Wurt fand man
ein Fragment mit verblasster Bemalung. Manche glauben, es sei ein Stück
des echten Wappenschilds der von Lienen. Alte Chronisten schreiben: „Ein
Splitter des Schilds reicht, um Mut zu wecken“.
Die Zerstörung der
Burg Lienen
1108 wurde die heutige Stadt Oldenburg unter dem Namen „Aldenburg“
erstmals urkundlich erwähnt. Im 12. Jahrhundert nutzten die Grafen von
Oldenburg dort die günstige Lage zum Bau einer Wasserburg. 1152 wurde Friedrich I. (Barbarossa) zum
König gewählt und 1155 zum Kaiser gekrönt. 1158 bestätigte er dem
Erzbischof von Bremen Hartwig I. die Grafenrechte über Stedingen.
Durch lehensrechtliche Verleihung wurde dieses Land westlich der Weser
vom Erzbistum Bremen an die Grafen von Oldenburg weitergegeben.
Die Bezeichnung „Heiliges Reich“ erscheint in kaiserlichen Urkunden ab
der Mitte des 12. Jahrhunderts. Im 13. Jahrhundert wurde der Zusatz
„römisch“ gebräuchlich, da sich
die deutschen Herrscher als Nachfolger der Herrscher des ehemals
mächtigen römischen Reichs sahen und sich in Rom vom Papst zum Kaiser
krönen ließen. Die Grafschaft Oldenburg stand zunächst im
Lehnsverband des Herzogtums Sachsen.
1167 starb Graf Christian I. von Oldenburg während der Belagerung von
Oldenburg durch den Herzog von Sachsen (Heinrich der Löwe). Der
Nachfolger von Christian I. war Moritz I. von Oldenburg. Dieser war beim
Tod seines Vaters aber noch unmündig, wodurch zunächst Heinrich der Löwe
die Herrschaft über Oldenburg an sich nahm. Im Jahre 1180 wurde Heinrich der Löwe von Kaiser Barbarossa entmachtet
und das Herzogtum Sachsen aufgeteilt. Graf Moritz I. von Oldenburg
erhielt von Kaiser Barbarossa seine Herrschaftsrechte zurück. Die dadurch selbständig gewordene Grafschaft Oldenburg machte nun ihre
Vogteirechte in Stedingen geltend.

Die Oldenburger Grafen kümmerten sich
zunächst lange Zeit kaum um die ehemals unwirtliche Gegend, welche im
Wesentlichen aus Mooren und Sümpfen bestand. Die Stedinger entwässerten
im Laufe der Jahre das Land und bauten Deiche, wodurch eine intensive
Besiedelung des Landes möglich wurde. Mit wachsendem Wohlstand wurde
allerdings auch das Interesse der Oldenburger Grafen an dieser Region
größer und sie errichteten südlich der Hunte die
Lechtenburg.
Die Lechtenburg war von der Bauart als Motte ausgeführt und hatte ein
Fundament und Grundmauern aus Stein.
Die Burgen der Oldenburger Grafen an der Weser waren bewusst zu einem
Teil aus Holz gebaut. Diese Bauart mussten die Oldenburger Grafen dem
Bremer Erzbistum aufgrund dessen Sorge um den freien Handel über die
Weser meist zusichern. (Dass diese Sorge durchaus berechtigt war, zeigte
sich im Laufe der Geschichte erst zur Mitte des 17. Jahrhunderts. Dann
begannen die Oldenburger Grafen, Weserzoll zu erheben, der erst zu
Beginn des 19. Jahrhunderts wieder aufgehoben wurde.).

Die
im Umland der Burg Lienen ansässigen Stedinger
Bauern sollten nun den "Zehnten" als Steuerabgabe auch an die Grafen von
Oldenburg entrichten, obwohl sie aufgrund eines Vertrages mit dem
Erzbistum Bremen neben dem "Kirchenzehnten" eigentlich von allen weiteren Abgaben befreit sein
sollten.
Verstärkt durch überlieferte Gewalttaten seitens
der Burgbewohner
entwickelte sich in der Bauernschaft ein Widerstand
gegenüber dem Adel, der letztendlich zum offenen Aufstand umgeschlagen
ist.
Im Laufe der Jahre entwickelte sich hieraus ein Konflikt, der
später als "Stedinger Krieg" in die Geschichte eingehen sollte.
Der Historiker und Publizist Heinrich von Treitschke (19.
Jahrhundert) beschreibt in seinem Gedicht "Die Stedinger
Ketzer" im ersten Teil des Gedichtes ("i. Der Frevel") wie eine junge
Frau auf die Burg Lienen entführt wird.
Im zweiten Teil des Gedichtes ("ii. Burg Lienen") wird von der
Zerstörung der Burg Lienen und der Lechtenburg in Gedichtform berichtet.
Teil drei und vier handeln von dem Kreuzzug gegen die Stedinger und
deren Besiegung. Das Gedicht ist im Anhang dieser Webseite zu finden. Der Inhalt des ersten Teils des Gedichtes wird von
Historikern allerdings eher einer Entführung auf die Lechtenburg zugeschrieben, bei
der Eler von Elmeloh, ein Oldenburger Vogt der Lechtenburg, Erpo von
Huntorp und dessen Tochter Tjalda entführte und auf die Lechtenburg
brachte, um von den Bauern den Zehnten zu erpressen. Dieses Ereignis
gilt in der Forschung als möglicher Auslöser des Aufstandes der Bauern des Stedinger Landes
gegenüber den Grafen von Oldenburg.
Die
Stedinger Bauern baten im ersten Moment die Bewohner der Burg Lienen um
Hilfe, diese hielten sich aber wohl zurück, um sich nicht zwischen die
Herren aus Oldenburg und Bremen zu stellen. Die
Stedinger Bauern hielten darauf eine Versammlung ab ("einen Thing") und beschlossen, die Lechtenburg
und auch die Burg Lienen zu stürmen.
In den alten Quellen heißt
es dabei, dass die Stedinger zunächst nur vorgaben, den "Zehnten" zu
zahlen und Getreidesäcke zur Burg Lienen brachten. In den Säcken hatten
sich aber bewaffnete Bauern versteckt und diese verschafften den
stürmenden Stedingern den Zugang zur Burg.

Die Burg
Lienen wurde um das Jahr 1204 durch die Stedinger Bauern gestürmt und
zerstört. Neben der Burg Lienen zerstörten die aufständischen Stedinger
Bauern auch die Lechtenburg.
Aller Wahrscheinlichkeit nach war
Ritter Albero I. von Lienen gemeinsam mit
seiner Frau Bewohner der Burg Lienen und beim Sturm der Stedinger ums Leben
gekommen.
Als die Stedinger
die Burg stürmten, fiel Albero I., so die Überlieferung, nicht durch
eine Klinge, sondern durch den Einsturz des brennenden Turms, den er bis
zuletzt verteidigte. Seine Frau soll an seiner Seite gestanden haben.
Deren Sohn Albero II. ("Albero der Jüngere") dürfte bei der
Zerstörung der Burg etwa 14 Jahre alt gewesen sein und wohl in seiner Ausbildung zum
Knappen an einem anderen Ort, was nach den überlieferten Zusammenhängen
am ehesten auf die Burg Hagen des Erzbistums Bremen deutet.

Die
Ursachen des Aufstands lassen sich aus den damaligen Umständen erklären. Der Auslöser des Aufstands der Stedinger
ist dabei aller Wahrscheinlichkeit nach im Umfeld der Lechtenburg und
der damit verbundenen Vorgehensweise der Oldenburger Grafen sowie der
Taten der Burgbewohner der Lechtenburg selbst zu suchen.
Als Albero II. Jahre später
zurückkehrte, um den Namen seiner Familie wiederherzustellen, soll er
das alte Wappen seines Vaters gefunden haben, verkohlt, gebrochen, aber
noch erkennbar. Der junge Ritter sagte: „Solange der Pfahl steht, steht
auch unser Haus“.
Die Schlacht bei
Altenesch
Durch weitere gewonnene Kämpfe stieg der Drang nach Autonomie bei den
Stedinger Bauern weiter an und schließlich verweigerten sie auch die
Zahlung des "Kirchenzehnten".
Mehrere Versuche seitens des Bremer
Erzbistums und der Grafen von Oldenburg, die Stedinger zu
bezwingen, scheiterten. Im Jahr 1229 besiegten die Stedinger Bauern ein
Heer unter dem Kommando von Hermann von der Lippe, welcher der Bruder des
Erzbischofs Gerhard II. war. Im Jahre 1233 siegten die Stedinger über ein
Ritterheer, welches vom oldenburgischen Grafen Burchard von Oldenburg
angeführt wurde. Um Unterstützung
zu gewinnen, beschuldigte der Bremer Erzbischof Gerhard
II. die Stedinger gegenüber Papst Gregor IX. in Rom, dass diese
Priester und Mönche getötet hätten und Kirchen und Klöster beraubt oder
verbrannt hätten. Auf Grund dieser Anschuldigungen erklärte der Papst
die Stedinger zu Ketzern und erließ eine Kreuzzugsbulle gegen die
Stedinger. In den Papstbullen wurde den Stedingern zur Last gelegt:
Gewalttaten gegen weltliche und geistliche Personen Verunehrung der Hostie Abergläubische Verehrung böser Geister Weigerung, in die kirchliche Gemeinschaft zurückzukehren
Am 27.05.1234 (datiert zwischen dem fünften und sechsten großen
Kreuzzug) kam es schließlich zur "Schlacht bei Altenesch"
und die Stedinger wurden vom Kreuzfahrerheer im Rahmen des einzigen
Kreuzzuges, der auf deutschem Boden geführt wurde, besiegt.

Mit einem
in den Quellen genannten Heer von etwa 6000 bewaffneten Kriegern (davon ca. 800 Ritter)
wurden die etwa 4000 Stedinger
Kämpfer unter Führung von Thammo von Huntorp, Detmar zum Diek (tom Dyk) und Bolko
von Bardenfleth geschlagen. Die Zahl der ums Leben
gekommenen Stedinger wird darin mit bis zu 6000 angegeben. Die Sieger teilten daraufhin Stedingen
unter sich auf. Der größte Teil fiel an die Grafen von Oldenburg, doch
überließen diese das Land zu einem großen Teil den noch verbliebenen, besiegten Stedingern
oder neuen Kolonisten zu Meierrecht, welches mit der Abgabenpflicht "des
Zehnten" verbunden war. Viele der einst von den Stedinger Bauern
bewohnten Höfe waren nach der Schlacht von Altenesch verwaist und der
Besitz der überlebenden Stedinger war aufgrund der Ketzergesetze
verfallen. Somit wurde das Land neu verpachtet. Es ließen sich auch
einige Kreuzfahrer nieder, die als Lohn für ihre Kriegsdienste ein Stück
Land in Stedingen zugewiesen bekamen.

Im Museum des Oldenburger Schlosses
ist heute noch ein Schwert aus der Schlacht von Altenesch ausgestellt.
Auf dem Schlachtfeld selbst steht heute die St.-Gallus-Kirche, welche im
Jahr 1299 geweiht wurde.
Man sagt, dass
die Glocke der Kirche in manchen Nächten zweimal geläutet hatte, einmal
für die Lebenden, einmal für die Gefallenen.
Seit 1834 erinnert ein gusseiserner Obelisk an
der Landstraße 875 in Lemwerder-Altenesch auf dem Veithügel an die
Schlacht von Altenesch. Noch heute wird in Gedenken an die gefallenen
Stedinger an diesem Denkmal jährlich ein Kranz niedergelegt.
Als der gusseiserne Obelisk errichtet
wurde, soll der Schmied, der die letzte Platte anbrachte, plötzlich
aufgeschreckt worden sein. Er schwor später, er habe eine kalte und
schwere Hand auf seiner Schulter gespürt. Niemand war hinter ihm. Der
Schmied sagte: „Es war einer von ihnen. Einer, der wollte, dass wir uns
erinnern“.
In der
Stadt Bremen erinnern die Bardenfleth-Straße, die Huntorp-Straße und Tom-Dyk-Straße an die damaligen Stedinger Heerführer und die Straße
"Stedingsehre" an die Schlacht bei Altenesch.
Seitens der Kirche wurde an den Sieg über die Stedinger bis zur
Reformationszeit jährlich am letzten Sonnabend vor Christi Himmelfahrt
mit einer feierlichen Prozession gedacht.

Eine Beteiligung eines Ritter von Lienen an der Schlacht bei Altenesch ist
nicht überliefert. Auch bezüglich sonstiger mutmaßlicher Vergeltungen
der Ritter von Lienen gegenüber den Stedingern aufgrund des
vorangegangenen Angriffs auf die Burg Lienen ist nichts bekannt.
Albero II. soll gesagt haben: „Ein Haus,
das nur von Rache lebt, stirbt zweimal“. Und so beschloss er: Er würde
in dieser Schlacht nicht kämpfen. Nicht für die Kirche. Nicht gegen die
Stedinger. Nicht für Rache. Nicht für Ruhm. Und obwohl er an der
Schlacht nicht teilnahm, behaupteten manche überlebende Stedinger
später, sie hätten während des Kampfes eine Gestalt weit entfernt, am
Rand des Feldes gesehen: hochgewachsen, ohne Banner, ohne Wappen und
ohne Schwert. Die Gestalt griff nicht ein. Sie beobachtete nur. Die
Stedinger sagten wohl später: „Es war einer, der uns nicht hasste“.
Die Erzbischofsfehde
Moritz
von Oldenburg gehörte zum Oldenburger Grafenhaus und war Erzbischof von
Bremen. Auf Drängen des Papstes sollte Moritz von Oldenburg zugunsten
des Osnabrücker Bischofs Gottfried von Arnsberg auf das Amt des
Erzbischofs verzichten. Es entstand ein größerer Konflikt, der
später als die sogenannte Erzbischofsfehde in die Geschichte einging.
Letztendlich zog Moritz von Oldenburg mit einem in den Quellen
angegebenen Heer von 900 Rittern gegen Bremen. Zu seinen Verbündeten
zählten auch die Grafen von Oldenburg und nach den überlieferten Angaben
Otto von Lienen.

In dem Gefecht fielen
etwa 30 Bremer und
weitere gerieten in Gefangenschaft - die übrigen zogen sich hinter die
Mauern der Stadt zurück. Nach diesem Konflikt blieb Gottfried von Arnsberg zwar
Erzbischof, aber Moritz von Oldenburg behielt die Kontrolle über das
Erzbistum als sogenannter Koadjutor oder Administrator.
Im Rahmen dieser Erzbischofsfehde wurde Otto I. von Lienen 1350
nach den überlieferten Berichten vor dem Bremer Ostertor von Moritz
von Oldenburg zum Ritter geschlagen.
Als die Reihen der Oldenburger wankten und die
Bürger mit lautem Ruf vorstießen, stellte sich Otto ihnen entgegen und
hielt stand, wo andere zurückwichen. Man sah, wie er mit festem Arm den
Schild hob und die Seinen sammelte, sodass der Angriff der Bürger
gebrochen ward. Da ritt Moritz selbst herzu, und mitten im Lärm des
Kampfes legte er Otto die Schwertklinge auf die Schulter und sprach vor
allen: „Für deine Treue und deinen Mut sollst du Ritter sein.“ Und so
wurde Otto von Lienen vor dem Ostertor zum Ritter geschlagen, nicht in
Frieden und Feier, sondern im Staub des Schlachtfeldes.
Am 13. Juli 1350 verständigte sich Moritz auf einen Waffenstillstand mit
dem Rat. Um die Fehde beizulegen wurde unter anderem der Edelherr Konrad
VIII. von
Diepholz als Schiedsrichter eingesetzt.

Graf Moritz hatte die Unterstützung des Rates der Stadt Bremen und auch
des Domkapitels. Gegen den Papst konnte er sich aber später nicht mehr
durchsetzen und so wurde gegen seinen Willen im Jahr 1361 Albrecht II.
Erzbischof von Bremen, welcher erfolglos versuchte, die Macht in Bremen
an sich zu reißen. Im Jahr 1366 wollte Albrecht II. einen Streit
zwischen den Bremer Zünften und dem Rat zu seinen Gunsten ausnutzen und
ließ die erste Bremer Rolandsfigur verbrennen, welche
als Symbol der Freiheit auf dem Bremer Marktplatz zunächst aus Holz
errichtet wurde. Bremen machte sich im Laufe der Jahre aber vom Erzstift
unter Albrecht II. unabhängig und
sein aufwendiger Lebensstil und politische Konflikte führten
dazu, dass er das Stedinger Land an die Grafen von Oldenburg verpfänden musste, wodurch
dieses Land neben dem Verlust weiterer Kirchengüter dem Bremer Erzbistum
verloren ging. Nach vielen Auseinandersetzungen zwischen Oldenburg und
Bremen blieb das Stedinger Land links der Weser letztendlich im Besitz
der Oldenburger Grafen.
Das 14. Jahrhundert - Weitere Ereignisse
Die Bremer Ratsfehde von 1304/05 war ein
kurzer, aber heftiger Machtkampf innerhalb der Stadt. Zwei
rivalisierende Gruppen im Rat gerieten so stark aneinander, dass eine
Partei aus Bremen vertrieben wurde. Die Vertriebenen verbündeten sich
daraufhin mit Teilen des erzbischöflichen Adels und begannen eine
bewaffnete Fehde gegen die Stadt. Bremen setzte sich militärisch durch,
festigte die Macht des Rats und stärkte seine politische Unabhängigkeit
gegenüber dem Umland. Die Fehde gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg
Bremens zur selbstbewussten, weitgehend autonomen Hansestadt.
Das Stadtrecht erhielt Oldenburg im Jahr 1345 durch Graf Konrad I. von
Oldenburg. Die Pest breitete sich zwischen 1347 und 1351 durch ganz Europa aus.
Städte wie Bremen und Oldenburg wurden besonders hart getroffen. 1356
wurde durch Karl IV. die goldene Bulle erlassen. Es sollten von nun an
die sieben Kurfürsten den König wählen. Das waren die Erzbischöfe von
Mainz, Trier und Köln (der Anteil der geistlichen Reichsfürsten) sowie dem
Herzog von Sachsen, dem Markgrafen von Brandenburg, der König von Böhmen
und dem Pfalzgrafen vom Rhein. Die Goldene Bulle gilt als eines der
wichtigsten Verfassungsdokumente des Reiches, im heutigen Sinne eine Art Grundgesetz.
Bei der Flutkatastrophe von 1362, der sogenannten zweiten
"Marcellusflut", mit zeitgenössischen Berichten von sehr hohen
Opferzahlen , soll die
Kirche von Lienebrok versunken sein.

Eine Sage berichtete, dass diese Kirche bereits
lange vor der Flut leer gestanden hat und Wölfe darin wohnten.
Es
entstand durch die eindringenden Wassermassen eine zeitweise Verbindung der Liene
mit der Jade, wobei große Bereiche nördlich der Liene überschwemmt
wurden. Durch den Deichbau wurde diese Verbindung wieder unterbrochen.
Zwischen den Flüssen Weser
und Liene gab es um 1380 herum keine klare Uferlinie. In dieser Zeit sprach man
auch vom „Liener Sand“, was bedeutete,
dass der Ort zu einer Insel geworden war.
Quellen berichten von einer ringförmigen
Eindeichung des Gebietes um Lienen herum, welche um 1380
vorhanden war ("Inseldeich") und vor dem Wasser aus Weser und Liene
schützte.

Die Glocke der Liener Kirche soll niemals geborgen worden sein.
Anwohner berichteten, dass man an manchen Abenden ein tiefes,
fernes Läuten gehört hat, wenn Nebel über das Wasser zog.
Im 14. Jahrhundert erreichte die Hanse ihre größte
politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Hanse und der deutsche Ritterorden waren über längere Zeit enge
Verbündete. Bekannt ist, dass die Bremer Ministerialen an gemeinsamen Kämpfen
mit der Hanse beteiligt waren.
Unter Führung Lübecks setzte sich die Hanse im Bund mit dem
Deutschen Orden und der Dithmarscher Bauernrepublik gegen den dänischen König
Waldemar IV. Atterdag durch und sichert sich durch den "Frieden von Stralsund"
die wirtschaftliche Vorherrschaft im Nord- und Ostseeraum.
Bremen war als Hansestadt wichtiger Handelspunkt. Waren wurden
unter anderem über die Weser zunächst mit den sogenannten Koggen
transportiert. Der berühmte Fund der "Bremer Kogge", die im Jahr 1380 in
der Weser bei Bremen gesunken war, ist heute im Schifffahrtsmuseum
Bremerhaven ausgestellt.

Die Hanse hatte lange Zeit Schwierigkeiten, sich gegen die
Seeräuber durchzusetzen. Verschiedene Grafschaften stellten den Piraten sogenannte Kaperbriefe aus
und nutzten damit Freibeuter für eigene Interessen. Die Piraten wurden
dadurch zu Freibeutern und griffen im Dienst des Landes fremde Schiffe
an. Das machte beispielsweise auch Graf Konrad II. von Oldenburg so.
Auch der Sohn von Graf Konrad II. von Oldenburg, Graf Moritz II. von
Oldenburg soll den Vitalienbrüdern zeitweise Schutz und Unterschlupf
gewährt haben. Im April 1400 gehen die Hansestädte vereint gegen die
Seeräuber vor: Elf Koggen mit insgesamt 950 Mann Besatzung erringen
einen wichtigen Sieg gegen die Piraten und kurz darauf wird einer der berühmtesten Piraten,
Klaus Störtebecker, gefangen genommen.

Man erzählt sich, dass die Familie von
Lienen einst ein breites und schweres Schiff aus dunklem Eichenholz
besaß, das in einer der alten Werften an der Unterweser gebaut worden
sein soll. Beim Stapellauf sagten wohl
die Schiffsbauer, das Holz klinge wie ein Herz, das sehr langsam
schlägt. Das langsame Herz des Schiffes sollte angeblich mahnen, nicht
zu hastig zu handeln, aber auch nicht zu zögern, wenn der richtige
Moment gekommen war.

15. Jahrhundert
Im 15. Jahrhundert setzte sich in Mitteleuropa zunehmend der Humanismus
durch, und die Renaissance begann sich auszubreiten.
Wirtschaft und Handel entwickelten
sich weiter und Handelsfamilien wie die Fugger wurden zum Teil so reich, dass sie
einen großen Einfluss auf die Politik hatten. Die Macht der Kirche wurde
geringer, worauf die Kirche durch härtere Unterdrückung Andersgläubiger
reagierte. Die
Erfindung des Buchdrucks förderte die Aufklärung.
Viele Territorien entwickelten sich zu stabileren Fürstentümern, und
dynastische Herrschaftsformen verfestigten sich. Das Kaiserreich hatte inzwischen den Namen "Heiliges Römisches Reich
Deutscher Nation".
Nach der Niederlage in der Schlacht bei
Tannenberg 1410 begann der Deutsche Orden allmählich an politischer
Bedeutung zu verlieren.
Die letzte bekannte Urkunde, in der Graf Moritz II. von Oldenburg
gemeinsam mit Ritter Otto II. von Lienen genannt wird, stammt aus dem Jahr
1418.
Eine Sage erzählt, dass Otto II.
eines Abends allein an die Weser ritt. Er trug keine Rüstung, nur einen
einfachen Mantel. Er hielt sein Schwert in der Hand. Nicht zum Kampf,
sondern zum Abschied. Er ritt bis zum Rand des Wassers und soll dort das
Schwert in den Fluss geworfen haben. Das Schwert sank nicht sofort,
sondern blieb einen Moment lang aufrecht im Wasser stehen, wie der rote
Pfahl seines Wappens.

Seit der Mitte des 15. Jahrhunderts sind keine Ritter von Lienen mehr
urkundlich nachweisbar. Seit dem Spätmittelalter gewannen
leichtbewaffnete Fußtruppen zunehmend an Bedeutung , zunächst lange Zeit neben
den immer mehr gepanzerten Ritterheeren. Schließlich verzichtete man um
das Jahr 1500 herum aufgrund der veränderten Kriegstechnik fast völlig
auf die militärische Mitwirkung der Ritter.
Der Ewige Landfriede von 1495 war ein bedeutendes Reichsgesetz, das die
Fehdeführung verbot. Unter Maximilian I. wurden wenig später
die Reichskreise festgelegt und aus dem "Heiligen Römischen Reich" wurde
das "Heilige Römische Reich Deutscher Nation", welches vom
Spätmittelalter bis 1806 Bestand hatte.

Es wurden im 15. Jahrhundert noch einige Familien von Lienen als Knappenfamilien
genannt, wie zum
Beispiel die Familien der Knappen Alberen (Albern) von Lienen (urkundl. 1480),
Borges von Lienen (urkundl. 1473), Jahan (Johan) und Diderick (Dietrich) von Lienen
(urkundl. 1477) sowie Otto von Lienen (urkundl. 1482).
Die urkundlichen Nennungen beziehen sich meist auf Landverkäufe. Die
Knappen gehörten zum niederen Adel und nahmen wichtige lokale
Verwaltungs- und Gerichtsämter wahr.
Sie stellten zum Beispiel Deichgrafen, Geschworene und besetzten die
wichtigsten politischen Funktionen.
Mit dem Ende des Mittelalters (Spätmittelalter: 1250-1500) endete
also auch die Zeit der Ritter und Knappen von Lienen
sowie der Ritter anderer Familien der Region Oldenburg / Bremen. Und auch im
gesamten Gebiet von Europa ging die Zeit der Ritter mit Ausklang des 15.
Jahrhunderts zu Ende.

Die Kanzlei des Erzbischofs Johan Rode zu Bremervörde
zählte um 1500 die von Lienen zu den "Geschlechtern, die ehemals
Dienstmannen der Bremer Kirche" waren. Dabei ist die Rede davon, dass
seitens der Linie "die meisten zwar verkamen" (gestorben sind) aber
"etlike (etliche) noch am Leben" seien.
Als das Rittertum verschwand,
verloren viele ihre Aufgabe, ihren Stand, ihren Platz in der Welt. Die
„etlichen“, die noch lebten, waren laut Erzählungen jene, die sich
dem Wandel nicht widersetzten. Man sagte sich, sie hätten das Schwert
gegen die Feder getauscht, den Dienst gegen das Handwerk, den Hof gegen
das Dorf. Doch eines behielten sie: „Den roten Pfahl im Herzen“, denn
diese Wenigen trugen den Namen von Lienen weiter. Nicht als Ritter,
sondern als Menschen, die wussten, woher sie kamen.
16. Jahrhundert
Im 16. Jahrhundert gab es viele kleine Fürstentümer und Grafschaften.
Die Gesellschaftsstruktur zwischen Adel und Bürgertum änderte sich
allmählich. Die ländliche Bevölkerung war vielerorts arm und litt unter
Frondiensten und Abgaben. Bauernaufstände erreichten dadurch
im 16. Jahrhundert einen Höhepunkt.
Die im Stedinger Land verbliebenen "von Lienen" lebten dort
in dieser Zeit vermutlich bäuerlich.
Eine
alte Geschichte erzählt von einem Mann namens Didrich
Linen, der um 1560 im Stedinger Land gelebt haben soll. Er war Bauer,
wie alle anderen. Doch die Leute sagten, er habe einen Blick gehabt, der
„durch Nebel und Menschen hindurchsah“. Ein alter Knecht sagte: „Wenn
Didrich aufs Feld ging, stand er da wie ein Ritter ohne Rüstung.“
Niemand wusste, woher er diesen Blick hatte. Doch manche flüsterten:
„Das ist der Blick derer, die einst auf Türmen standen“.

In vielen Regionen entstanden neue Glaubens-Gemeinschaften. Es entwickelte sich die
Kunst, Medizin und andere Wissenschaften. Der Ablasshandel und
kirchliche Missstände waren für Martin Luther 1517 zentrale Gründe,
seine 95 Thesen zu verfassen. Diese wurden zum Auslöser für
Reformationen in ganz Europa. Letzter Auslöser war eine finanzielle
Vereinbarung zwischen
Albrecht von Brandenburg und dem Papst, wodurch Albrecht von Brandenburg
zusätzlich zu seinem Amt als Erzbischof von Magdeburg auch Erzbischof von
Mainz und somit ein für die Königswahl berechtigter Kurfürst werden konnte. Der Papst benötigte das Geld für
den Bau des Petersdoms und Albrecht von Brandenburg lieh sich das Geld
bei den Fuggern. Dafür durfte er den Ablass in seinen Bezirken predigen,
wovon die Hälfte an den Papst ging und die andere Hälfte zum Begleichen
seiner Schuld bei den Fuggern vorgesehen war.
Der darauf losbrechende Reformationsprozess durch Martin Luther führte
dazu, dass das Gebiet um Lienen herum mit der Grafschaft Oldenburg und
dem Erzstift Bremen überwiegend protestantisch wurde und bis heute
geblieben ist.
In diesem Zusammenhang wurden
verschiedene Sätze überliefert, wie "Der Glaube ging dorthin, wo das Wasser ihn ließ".
Die heutige Grenze der
ev.-luth. Landeskirche Oldenburg zeigt noch nahezu unverändert die
ehemaligen Grenzen der Grafschaft Oldenburg bzw. des späteren Herzogtums
Oldenburg / Großherzogtums / Landes Oldenburg vor 1946.

Zum Amtsantritt des Oldenburger Grafen Anton I. von Oldenburg im Jahr
1526 wurde ein Otto von Lienen namentlich genannt. Otto von Lienen kaufte
ein Haus im Jahr 1521 in der Mühlenstraße in Oldenburg.
17. Jahrhundert
Das 17. Jahrhundert war vor allem geprägt durch den 30jährigen Krieg.
Durch den Krieg selbst und auch durch die dadurch entstandenen
Hungersnöte und Seuchen wurden ganze Landstriche verwüstet und
entvölkert. Während dieses Krieges bewahrte der Landesfürst und
Reichsgraf von Oldenburg Graf Anton Günther durch seine
Neutralitätspolitik gegenüber den kriegsführenden Mächten und einzelnen
Heeresführern sein Land als eines der wenigen Territorien weitgehend vor
Not, Elend und Verwüstung.
Eine Legende erzählt, Graf
Anton Günther habe den ligistischen Feldherrn Graf von Tilly vom
unmittelbar bevorstehenden Überfall auf die Stadt Oldenburg abhalten
können, indem er ihm wertvolle Pferde schenkte und ihm einen Weg durch
die Moore verriet.
Graf Anton Günther gründete den heute noch bekannten
Kramermarkt im Jahr 1608.
Nach dem Großbrand in Oldenburg im Jahre 1678,
bei dem nahezu die ganze Stadt zerstört wurde, siedelten sich viele
Menschen im Umland der Stadt an. Besitz und Urkunden sind zu einem
großen Teil verloren gegangen. Die folgende
Karte zeigt das Stadtbild von Oldenburg unmittelbar vor dieser
Brandkatastrophe um das Jahr 1650. Die Stadt Oldenburg hatte zu dieser
Zeit etwa 4000 Einwohner.

In Bremen wurden noch mehrere Ratsfamilien v. Lienen erwähnt, deren Linie
nach jetzigem Kenntnisstand 1786
mit dem Tod des Hermann von Lienen (Bremens Bürgermeister 1773-76) endete.
Die Karte zeigt das Stadtbild von Bremen von ca. 1650. Bremen hatte zu
der Zeit etwa 25.000 Einwohner. Um 1350 waren es ca. 10.000. Das
Erzstift Bremen wurde mit dem westfälischen Frieden von 1648
säkularisiert und zum Herzogtum erklärt. Schweden erhielt als
Kriegsentschädigung zwei große Gebiete im Norden Deutschlands: das
Herzogtum Bremen und das Fürstentum Verden Beide zusammen wurden später
als Herzogtum Bremen‑Verden bezeichnet. Das Herzogtum Bremen und
das Fürstentum Verden blieben staatsrechtlich eigenständige, deutsche
Fürstentümer. Der schwedische Monarch wurde zwar Landesherr, aber nicht
als König von Schweden, sondern als deutscher Reichsfürst. Das war ein
völlig normaler Vorgang im Heiligen Römischen Reich: ausländische
Monarchen konnten deutsche Territorien besitzen.

Die Besiedelung um Lienen herum war zur selben Zeit deutlich
dünner und kleinteiliger. Die Karte zeigt die damaligen Siedlungen im Gebiet der
heutigen Wesermarsch. Aus der damaligen "Harrier Bracke" wurde der Name
der heutigen Kreisstadt Brake. Die übrigen dargestellten Ortsnamen kann
man den heutigen Ortschaften und Stadtteilen zuordnen.
Eine Geschichte berichtet, dass in einem
der alten Bauernhäuser ein verblasstes Wappenbrett im Dachgebälk
versteckt gewesen sei. Es zeigte den roten Pfahl auf Silber, doch der
Pfahl war kaum noch zu erkennen, wie ein Schatten im Holz. Der Großvater
des Hauses soll gesagt haben: „Das ist kein Wappen mehr. Das ist eine
Erinnerung“. Und er verbot, es zu entfernen.
Auf der von dem
Ort Lienen aus gegenüberliegenden Seite der Weser war zu dieser Zeit
noch die Ortschaft Stelle in der Karte eingetragen. Heute ist dieser Ort
nicht mehr zu finden. Lediglich der Landstrich "Steller Bruch" erinnert
heute an den namensgebenden Ort der direkten Vorfahren der Familie von
Lienen - den v.Stelle aus der damaligen Verwandtschaft Erzbischof
Liemars.

Aus dem
"Oldenburger Häuserbuch" sind weitere Einträge auf den Namen "von
Lienen" aus dieser Zeit und danach bis zum großen Brand von 1678
vorhanden.

18.Jahrhundert bis Heute
m 18. Jahrhundert ging das Herzogtum Bremen‑Verden durch einen
vertraglich vereinbarten Kaufpreis von rund 1 Million Talern aus
schwedischem Besitz an das Kurfürstentum Braunschweig‑Lüneburg über.
Dort verblieb es, bis 1866 das Königreich Hannover von Preußen
annektiert wurde. Die Grafschaft Oldenburg ging 1774 in das Herzogtum Oldenburg über.
In Form des Großherzogtums gehörte Oldenburg zunächst ab 1815 zum
Deutschen Bund, ab 1867 zum Norddeutschen Bund und ab 1871 zum Deutschen
Kaiserreich.
Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts lebten vermutlich die meisten
Angehörigen der Familie von Lienen in diesem Gebiet.
Nach dem Ende des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1806 trat Bremen
als Freie Hansestadt in eine neue staatsrechtliche Phase ein. 1866 trat Bremen dem Norddeutschen Bund bei.
1871 erhielt Bremen im neu gegründeten Deutschen Kaiserreich den
verfassungsmäßigen Namen „Freie Hansestadt Bremen“. Die Stadtgemeinde Bremen ist heute die
Hauptstadt des Bundeslandes Freie Hansestadt Bremen (kurz: "Bremen"), zu
dem neben der Stadt Bremen auch die Stadt Bremerhaven gehört.
Nach der Novemberrevolution 1918 wurde aus dem Großherzogtum
Oldenburg der Freistaat Oldenburg, welcher bis 1946 Bestand hatte. Die
Stadt und der Landkreis Oldenburg gehören heute zum Bundesland
Niedersachsen. Das "Haus Oldenburg" ist aufgrund bestehender
verwandtschaftlicher Beziehungen heute eines der bedeutendsten
Geschlechter des europäischen Hochadels, aus dem bis heute mehrere
regierende Dynastien hervorgehen.
Am 11. August 1919 wurden
mit der Weimarer Reichsverfassung die Vorrechte oder Nachteile der
Geburt oder des Standes aufgehoben. Der Adel bildet in Deutschland
dennoch bis heute in Teilen eine vergleichsweise geschlossene
gesellschaftliche Gruppe.

Die historische Landschaft um Lienen herum gehört heute zum Landkreis
Wesermarsch im Bundesland Niedersachsen.
Lienen ist heute ein Ortsteil der Stadt Elsfleth. Im Jahr 1933 wurden
die Gemeinden Berne, Neuenhuntorf, Warfleth, Bardewisch und Altenesch zu
der Gemeinde Stedingen zusammengeschlossen. 1948 wurde die
Gemeinde Stedingen wieder aufgelöst und in die Gemeinden Altenesch und
Berne geteilt. Im Jahr 1972 wurde Altenesch in Lemwerder umbenannt.
An den historischen Namen Stedingens erinnert heute noch der Straßenname
der "Stedinger Landstraße", welche die Kirchenstraße in Brake mit dem
Beginn der Straße "Am Weserdeich" kurz vor der Ortschaft Lienen
verbindet.
Am alten Weserdeich soll
ein unscheinbarer Stein liegen, der bei Sonnenuntergang einen rötlichen
Schimmer zeigt. Die Sage sagt, ein Vorfahr der Liener Bauern habe dort
einst eine glühende Kohle aus einer Schmiede eingeschlossen, als
Zeichen für Mut und Standhaftigkeit gegen die Fluten. Wer die Flamme
sieht, so heißt es, trägt die Kraft der Marsch in sich.
Die Herkunftslinie Lienen (Osnabrück)
Der Vollständigkeit halber sei darauf hingewiesen, dass im Zuge der
Binnenwanderung, beginnend im späten 18. Jahrhundert und verstärkt im 19. Jahrhundert auch Personen aus dem Kirchspiel
Lienen bei Osnabrück in den Oldenburger Raum zugezogen sind. Diese
konnten unterschiedliche, ortsbezogene Namensformen führen, etwa Lienen,
Linnen, Liene, Lienenmann, Linnemann oder die niederdeutsche Form „van
Lienen“. Im Prozess der standesamtlichen Erfassung und allgemeinen
sprachlichen Vereinheitlichung im 19. Jahrhundert kam es vereinzelt zu
Anpassungen und Angleichungen von Schreibweisen, ohne dass damit ein
Adelsprädikat verbunden war. Dabei konnten
unterschiedliche Varianten in Einzelfällen zu der Form „von Lienen“
konsolidiert werden, insbesondere wenn Herkunftsangaben aus älteren
Kirchenbucheinträgen übernommen oder interpretiert wurden. Aus einem
Kirchenbucheintrag von beispielsweise "Heinrich Liene, aus Lienen"
konnte im standesamtlichen Übertrag "Heinrich von Lienen" werden, wenn
Herkunftsangaben irrtümlich als Namensbestandteil interpretiert wurden. Solche
Entwicklungen sind jedoch differenziert zu betrachten und stellen kein
einheitliches Muster dar. Personen dieser Herkunftsgruppe haben ihren
Namensursprung im Kirchspiel Lienen bzw. im Osnabrücker Land. Eine
genealogische Verbindung zu der Familie von Lienen aus der Wesermarsch
ist für solche Fälle nicht belegt.
Der Uradel von Lienen
Das Institut für Deutsche Adelsforschung bezeichnet die
Namensform
als historisch adelig.
Die Unterscheidung zwischen dem Eintrag "von" und "v." ist allein darauf begründet, dass bei der Erfassung im deutschen
Adelsblatt von 1924 der damalige Verfasser, Herr von Gellhorn,
in seiner Liste vermeintlich "historisch nicht-adeliger" Familien
vermerkt hatte, dass es in einzelnen Fällen adelige oder nicht-adelige
Familien mit dem Namenszusatz "von" geben könne. In einigen
Adelshandbüchern wurde das „von“ seitdem mit „v.“ abgekürzt, um Namen
adeliger Familien mit „von“ von nicht-adeligen Familien zu
unterscheiden. Letztendlich folgt diese Vorgehensweise dem damaligen
Gebrauch in den Ranglisten der königlich preußischen Armee. Einige
Listen gingen dabei sogar so weit, dass in dieser Form zwischen
Familiennamen des Ur- und des Briefadels unterschieden wurde.
In der heutigen Zeit ist die
Schreibweise "von Lienen" geläufig und der Familienname wird
beispielsweise im aktuellen schwedischen Adelsverzeichnis unter "von
Lienen" als (historisch) adelig geführt.

Besonders im digitalen Zeitalter fällt oft auf, dass zum Teil durch
automatisierte Datenerfassungen oder Eingabeautomatismen von Software
der Namenszusatz "von" mit einem großen "V" geschrieben wurde. Das ist
nicht nur unschön, sondern entspricht nicht der korrekten Schreibweise
des Namens. Es ist auf die korrekte Schreibweise zu achten und eine
Korrektur kann mit gegebener Berechtigung und Verweis auf das im
bürgerlichen Gesetzbuch geregelte Namensrecht eingefordert werden.

Zum sogenannten Uradel zählen nach dem Genealogischen Handbuch des Adels
Familien, deren "Geschlecht" nachweislich spätestens um 1400 dem
ritterbürtigen Adel angehört hat. Ritterbürtigkeit setzte im Mittelalter
in der Regel mindestens drei Generationen ritterlicher Lebensweise sowie
standesgemäßer Eheschließungen voraus. Nach einer strengeren Auffassung
zählen dabei nur solche adelige Familien als ritterbürtige Geschlechter
zum Uradel, die urkundlich vor 1350 nachweisbar sind.
Die Urkunden zwischen ca. 1220 und 1420 erfüllen die Kriterien,
die üblicherweise zur Einordnung in den deutschen Uradel herangezogen
werden.



Viele uradlige Familien schrieben sich bis etwa 1650 ohne das adelige
Prädikat von (oder zu), und zwar diejenigen, die sich nicht nach einer
Stammburg, sondern nach ihrem Wappensymbol oder einer sonstigen
Eigenschaft benannt hatten. Die seit Kaiser Karl IV. verstärkt nach
französischem Vorbild durch Diplom in den Adelsstand Erhobenen werden im
Unterschied dazu als der sogenannte Briefadel betitelt. Zum Briefadel
zählen adelige Häuser ursprünglich bürgerlicher oder bäuerlicher
Herkunft, die in der Neuzeit durch einen Adelsbrief (auch Adelsdiplom
genannt) in den Adelsstand erhoben wurden. Bis 1806 war es in
Deutschland üblich, den Namen des Neu-Geadelten durch einen schön
klingenden (Pseudo-) Ortsnamen zu ergänzen.
Eine beispielhafte Linie
Die
persönliche Linie des Familienzweiges des Autors dieser Webseite lässt
sich bis ins 16. Jahrhundert zu einem Johan von Linen klar belegen und
bis zu Ritter Albero I. durch mehrere unabhängige Quellen abgesichert
zurückverfolgen. Die konkrete
Nachvollziehbarkeit der direkten verwandtschaftlichen Verbindungen
zwischen der Mitte des 15. und dem Ende des 16. Jahrhunderts gestaltet
sich schwierig. Nach dem Chronisten H. Hamelmann soll der letzte von
Lienen ein Johan von Linen gewesen sein, der nach dessen Oldenburgischer Chronica
von 1599 im Niederländischen Krieg um 1596 gefallen sein soll.

Quellen
nennen als Nachkommen des Johan von Lienen einen Johann von Lienen, geb.
um 1590, mit Grundbesitz im Gebiet des früheren Lienebrok, sowie dessen
Nachfolger Jürgen von Lienen. Andere Quellen führen dieselben Namen in
gleicher Reihenfolge, jedoch mit leicht abweichenden Jahresangaben, und
ordnen ihnen Besitz im heutigen Jaderaußendeich zu, rund 15 km nördlich
des historischen Lienebrok. In welche Richtungen sich die Familie in
dieser Zeit im Detail verzweigt hat, lässt sich heute nicht mehr
vollständig und zweifelsfrei rekonstruieren.
Die Verbindung der
hier genannten Linie zu den
Ministerialen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts wird durch mehrere
unabhängige Quellen sowie unabhängig erstellte Ahnentafeln gestützt. Insgesamt
ergibt sich damit folgende Linie dieses Zweiges vom 12. Jahrhundert bis
in die Gegenwart. Da in den ältesten
Aufzeichnungen häufig nur der männliche Vorname überliefert ist, wird
die Liste entsprechend bis heute in dieser Form fortgeführt.

Die Geburtsorte aller hier aufgeführten Personen der kompletten Linie
von 1168 bis heute liegen nach derzeitigem Kenntnisstand sämtlich in
einem Umkreis von etwa 25 km. Die ersten vier Generationen sowie der
hier genannte Otto von Lienen („Otto II.“ 1386) erscheinen in den
Quellen als Ritter.
Eigene Wappen-Idee
Das folgende Bild basiert
(bis auf das Wappenschild der Familie) nicht auf historischen Quellen, sondern stellt eine vollständig eigene
Idee dar. Auch Wahlspruch und Panier sind frei hinzugefügt.
Der hier gezeigte persönliche Wappenentwurf wurde in Anlehnung
an die
heraldischen Regeln für ein Vollwappen aufgebaut. Es wurde dabei der
Versuch unternommen, heraldisch bekannte Symbolik mit modernen Motiven
zu kombinieren. Die Farbgebung wurde dabei entsprechend der historisch
belegten Tingierung des
ursprünglichen Wappens der Familie von Lienen gewählt.
Der Wahlspruch lautet
"Ama et fac quod vis!", was so viel bedeutet wie: "Liebe und Tu, was du
willst!".
Das Panier (ehemals der Schlachtruf) über der Helmzier bedeutet:
"Ich versuche es!" oder "Ich wage es!".
Schlusswort
"Als kleiner Junge wollte ich immer auf einem Turm wohnen, wenn ich
einmal groß bin. Niemand wusste, warum mich dieser Gedanke begleitete
oder woher er kam".
Vielleicht war es nur ein Kindheitstraum oder
vielleicht steckt in uns manchmal mehr Geschichte, als wir ahnen.
Vielleicht tragen wir Spuren dessen in uns, was unsere Vorfahren prägte,
nicht als klare Erinnerung, sondern als leises Echo, das sich in
Wünschen oder Bildern zeigt.
Heute, im 21.
Jahrhundert, mag der Name von Lienen einer unter vielen sein. Er trägt
keine Burg und kein Siegel mehr, doch er trägt eine Geschichte von fast
tausend Jahren und eine Linie, die nie ganz abriss, verbunden mit dem
leisen Echo des roten Pfahls.
Vielleicht liegt genau darin sein
Vermächtnis: nicht, weil der Name einst Ritter stellte, sondern weil er
alle Zeiten überdauerte und bis heute geblieben ist. Und vielleicht
erklärt es auch, warum ein kleiner Junge einst davon träumte, auf einem
Turm zu wohnen – als würde etwas in ihm noch wissen, woher er kommt.
C.M. von Lienen

Impressum
info@vonlienen.de
Quellen
- Hans G. Trüper - Ritter und Knappen zwischen Weser
und Elbe - Otto Piper - Burgenkunde - Förderkreis Rastede e.V. - Die frühen Oldenburger Grafen -
Archäologisches Museum Hamburg - Deutsche Digitale Bibliothek - Georg Ruseler - Der Kampf um die Lechtenburg - Artur Conrad Förste - Die Ministerialen der Grafschaft Stade im Jahre
1219 - Institut für Deutsche Adelsforschung, Kiel - Karl Arnold Schlönbach - Die Stedinger (Historische Erzählung, 1854) -
Webseite Ulf Neundorfer - Stedinger Online-Chronik - Webseite
Denkmalatlas Niedersachsen - H. Hamelmann,
Oldenburgisch Chronicon, 1599 - Landesmuseum Oldenburg - Staatsarchiv Bremen - Niedersächsisches Landesarchiv Oldenburg - Urkundenbuch des Klosters Lilienthal 1232-1500
- Urkundenbuch des Stiftes St. Andreas zu Verden - "Bremisch- und Verdischer Ritter-Sahl oder
Denckmahl der hoch-adelichen
Geschlechter", 1720 - Zeit für Geschichte - Schrödel
- Wikipedia - Die Volkssagen des Stedinger Landes, Bremen 1845 - Heraldik-Wiki - Oldenburger Jahrbuch des Vereins für Altertumskunde
und Landesgeschichte, Bd. 33 von 1929, Bd. 28
von 1924 und Bd. 37 von 1933 - Heinrich von Treitschke - Vaterländische Gedichte, 1856 -
Oldenburgische Gesellschaft für
Familienkunde e.V. - Heimatverein Altenesch e.V. -
Vita Anskarii, Lebensbeschreibung
Erzbischof Ansgars - Martin Uhlig, Historische Instrumente - Ewald Gierke - Linebrok
- Künstlerische / Historische Rekonstruktionen: KI-generiert -
Aufzeichnungen der Familie
Copyright



Anhang:
Die Stedinger Ketzer
(Heinrich von Treitschke, Berlin 1856)









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